Sozialfahrt

Menschen mit Behinderungen, in diesem Fall mindestens einer Gehbehinderung, haben Anspruch auf eine Vergnügungsfahrt mit dem Taxi. Jeden Monat steht dafür ein Kilometerbudget zur Verfügung und kann nach Bedarf abgerufen werden. Abgerechnet wird dann mit der Kasse oder Landkreis, es wird auf jeden Fall bezahlt und ich finde das eine gute Sache, nicht immer zum Arzt zu fahren, sondern auch ab und an einen kleinen Ausflug zu machen.

Heute ging es zum Shoppen in den neuen Rossmann nach Loxstedt. Eifrig wie ich bin, erzählte ich gleich von dem tollen, bunten Laden, der gerade erst eröffnet hatte und was es da Alles zu sehen gäbe!

„Oh, das ist mir doch völlig egal!“ erwidert die Frau im Rollstuhl.

Etwas geknickt von der schroffen Aussage sagte ich erst Mal nichts mehr, ging ich nun einfach meiner Arbeit nach und verzurrte den Rolli im Fahrzeug.

Die Betreuerin hatte wohl meinen Missmut bemerkt und ergänzte:“Wissen sie, HerrTaxifahrer, mein Schützling ist Blind und kann all die schönen Dinge nur erahnen. Aber wir hoffen, das uns dort ein Meer an schönen Gerüchen erwartet!“

Manchmal wünsche ich mir dann doch, vorab etwas mehr über meine Fahrgäste zu wissen. Bei dieser Gelegenheit fiel mir auch gleich  mein erster Fettnapf in einer ähnlichen Angelegenheit wieder ein!

Euch Wünsche ich eine schöne Woche und mir endlich mehr Durchblick. Spätestens Mittwoch bekomme ich endlich eine Neue Brille und kann die Straßen wieder sehen und nicht erschätzen!

 

6 Kommentare

auf “Sozialfahrt
6 Kommentare auf “Sozialfahrt
  1. Na, das ist mal ein echtes Fettnäpfchen.

    Aber du musstest die Straße hoffentlich zuletzt nicht aus einem Meer von schönen (und weniger schönen) Gerüchen erahnen, oder?

  2. Das würde ich nicht unbedingt als Fettnäpfchen bezeichnen. Die meisten Menschen mit Behinderung sind ziemlich dankbar dafür, wenn man sie ganz „normal“ behandelt, ohne ständig Rücksicht auf eventuelle Gebrechen zu nehmen. Allerdings haben viele Menschen eine tolle Art der Selbstironie entwickelt…

    • Ich stimme dir voll und ganz zu. Allerdings fielen einige Touren leichter, wenn mir die Art der Behinderung/Krankheit bekannt wären, um eben so „Normal“ als möglich zu agieren.

  3. Moin, moin,
    was versteht ihr denn unter einer Sozialfahrt? Wer ist Kostenträger? Mein Schwiegervater war blind und saß im Rollstuhl. Freifahrten hat er nie bekommen, für alle Fahrten waren meine Frau oder ich zuständig.
    Welche Voraussetzungen gibt es bei euch? Reichen 50% GdB aus, sind Merkzeichen erforderlich?
    Ich bin neugierig. Gruß Frank

    • Hallöle! Ich hab mal bei unserem Landkreis reingeschaut.

      Was ist ein Persönliches Budget?

      Die Bezeichnung Persönliches Budget bedeutet, dass behinderungsbedingte Bedarfe an Unterstützungsleistungen – unabhängig von der Zuständigkeit verschiedener Leistungsträger – von einem der beteiligten Träger festgestellt und Ziele für Unterstützungen vereinbart werden.

      Rollifahrer erhalten nach meiner Erfahrung hier im Landkreis ca. 60 Freikilometer (Taxi-Budget / Teil eines Paketes?), die sie nach Lust und Laune verbraten können. Zum Shoppen, ins Kino, ins Restaurant oder Theater oder auf Besuch.

      Hier findest du Antworten und einen Antrag für den Landkreis Cuxhaven.

      Beste Grüße nach Fastdänemark!

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