In der Falle!

Ein Kollege sollte einen Fahrgast nach Bremerhaven fahren.

Nichts Besonderes.

Auch wenn man in Betracht zieht, das dieser Fahrgast gern in dunkle Gassen gefahren werden möchte, ist das immer noch nicht außergewöhnlich.

Wenn er dort dann bittet, einen Moment zu warten, um für einige Minuten in einem völlig verwahrlosten Haus zu verschwinden, dann ist das alles andere als Normal, aber völlig passend zu diesem Typen.

Wenn er dann, wie gewohnt gut gelaunt und völlig losgelöst wieder zu dir ins Taxi steigt und zurück zum Ausgangspunkt möchte, kein Thema, das hatten wir schon oft!

Jedoch, wenn er, wie an diesem Abend geschehen, diesen meinen Kollegen bittet, für ihn in das Haus zu gehen, um etwas „Kokain“ für ihn zu holen, denn „er sei nicht gut zu Fuß“, dann hat er ein Problem. Denn mein Kollege bat ihn freundlich aber bestimmt sofort zu zahlen, auszusteigen und das Weite zu suchen.

Erst als der Fahrgast begann zu quengeln, zeigte er ihm seinen Dienstausweis, den er als Polizist immer dabei hat!

Der Fahrgast hatte auf einmal gar keine Gehbehinderung mehr und verschwand schnellen Schrittes in den Katakomben hinter der Bremerhavener Hafenstraße!

Und die Moral von der Geschicht:

„Erwarte Zuviel von einem taxifahrenden Polizisten nicht!“

 

So, oder so ähnlich in einem Taxi in Deutschland oder auf der ganzen Welt!

Die meisten Taxifahrer haben gehörig Was auf dem Kasten! So ist die kürze Konversation nur ein Beispiel für viele Variationen von Beruf und Fahrziel! 🙂

 

„Ich habe den Master-Abschluß in Kunstgeschichte und Archäologie!“

 

„Das ist wirklich sehr schön, aber jetzt müsste ich zuerst dringend zum Hauptbahnhof!“

 

 

Ich verliere nicht gern! Im Ernst!

Neulich gab es diesen Vorfall am Bremer Flughafen, bei dem ich eher schlecht weg gekommen war.

Leser Ingmar hat höchstwahrscheinlich eine plausible Erklärung gefunden, so sein Kommentar, was in den Köpfen der Flughafenfahrer vor sich ginge:

 Aber WAS IST DAS?! EIN FAHRER MIT CUX-KENNZEICHEN, DER AUF GARANTIERT SEINE TOUR KLAUEN WILL, DIE IHM ALLEINE ZUSTEHT!!!111einself

Dazu passt auch folgende Begebenheit, welche ich euch nicht vorenthalten möchte:

Vor gut einem Jahr stand ich schon einmal an der Stelle, wo mir letzte Woche der Wagen geknackt wurde, nur etwas näher am Taxistand. Von dort konnte ich gut das Treiben der Kollegen beobachten, wie sie ihre potentiellen Fahrgäste schon im innern des Gebäudes belagerten, um ein Fahrziel herauszuquetschen. Lag es weit genug weg, wurden Ihnen das Gepäck geschickt aus den Händen genommen und zum entsprechenden Wagen geschleppt. War die Strecke zu kurz, wurde der  Kunde ignoriert und der Nächste aufs Korn genommen.

Das haben natürlich nicht alle so gemacht, einige standen brav bei ihrem Taxi und warteten darauf, ausgewählt zu werden.

So ein wartender Kollege stand schon einige Zeit gelangweilt herum, während die anderen Fahrer nach und nach wegfuhren. Zum Schluß waren alle Taxen weg, nur einer war übrig geblieben. Um die Zeit bis zum nächsten landenden Flieger zu überbrücken, näherte er sich meinem Passat und blinzelte herein. Offensichtlich gefiel ihm unsere Vermittlungstechnik, nahm ich zuerst wenigstens an.

Dann schien etwas ganz anderes seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er trabte zu seinem Taxi, auch ein Passat, schaute auf seine Konsole und kam flott zurück zu mir, lehnte sich auf die Beifahrertür und fragte neugierig:

„Kollege, was bedeutet das weisse Kreuz da, das in der Mitte auf der Konsole?“

Tja, die Sache mit dem Kreuz. Das ist so eine Spezialität von mir, die ich gern geheim hielte, so wie einen Zaubertrick! Ich überlegte dann aber, das Kollege §flughafenfahrer weit genug von meinem Fahrgebiet entfernt stationiert sei, da könnte ich ihm die Bewandtnis des Kreuzes ruhig offenbaren:

„Weisst du, das ist ganz einfach erklärt. Durch das Kreuz komme ich leichter mit Frauen ins Gespräch, Sex und so, weisst du!?“

Er grinste mich nur ungläubig an, ich verwarf seine Zweifel aber durch einige Beispiele, bei denen die Taxifahrt mit einem zufriedenstellenden Akt der Nächstenliebe geendet hatte!

Lange rede kurzer Sinn. Er äußerte, das auch einmal auszuprobieren.

Kürzlich hatte ich dann wieder eine Abholung vom Flughafen Bremen. Eine hübsche Frau, ausgestattet mit genügend weiblichen Attributen, sämtliche Taxifahrer Deutschlands in den Wahnsinn zu treiben!

Nicht ganz unstolz sammelte ich die Schönheit am Gate ein und geleitet sie unter den geifernden Blicken der anderen Kutscher zu meinem Wagen. Unterwegs kam, was kommen musste! Sie fragte:

„Was ist das für ein weisses Kreuz, da auf der Konsole?“

Jetzt kam mein großer Moment. Die Worte hatte ich mir schon viele Male sorgsam zurecht gelegt, um sie ganz natürlich, nicht zu jovial, nicht zu langweilig über meine Lippen rauschen zu lassen:

„Ooch das. Da hatte ein Kollege aus der Tagschicht sein eigenes Navi festgeklebt und die Reste beim Ausbau zu Schichtende nicht entfernt. Ich werde das nicht übernehmen, soll der sich drum kümmern!“

Sie war mit der Antwort zufrieden und begann auf einmal ganz aufgeregt mit den Schenkeln zu wippen und auf ihren Lippen zu kauen. Da platze es aus ihr heraus:

„Wissen sie, neulich hatte ich ein Taxi am Flughafen genommen, das hatte an der genau selben Stelle so ein Kreuz. Ich verrate ihnen Mal, was dieser Fahrer mir antwortete, als ich mich nach dem Kreuz erkundigte!?

Sie schaute mir tief in die Augen und imitierte die Mundart des Kollegen:

„Wolle Ficken?!“

 

:'(

Heute erfuhr ich, das ein lieber Ex-Kollege seine letzte Tour angetreten hat und grüße ihn von hier aus dem Taxi:

Lieber Günter,

ich danke dir für all die wertvollen Tipps, die du mir  als Frischling damals mit auf den Weg gegeben hast. Du warst immer für alle Kollegen ein Vorbild! Ich habe deine stoische Ruhe bewundert, mit der du nach einer nervenaufreibenden Nachtschicht am Morgen danach zusammen mit uns im Büro saßt und die Umsätze verglichen hast.

Du warst meistens der Beste. Als ich dich das erste Mal übertrumpft hatte, wärst du am liebsten noch einmal raus gefahren, um die fehlende Summe reinzuholen. Das hat mich angespornt, immer besser zu werden, nur um den leisen Zorn in deinem Gesicht zu sehen und um anschließend bei einem gemeinsamen Kaffee die Schicht nachzuerzählen und über die Erlebnisse zu lachen.

Auch werde ich dein Faible für moderne Technik gern in Erinnerung behalten!

Lieber Günter… jetzt hast du mich zum ersten Mal traurig gemacht.

Hoffentlich haben sie dort im Himmel einen guten Wagen mit Stern für dich, vielleicht den L 995, den bist du immer so gern gefahren. Deine geliebten Kreuzworträtsel soll es dort auch geben, also wenn du dafür noch Zeit hast!?

Weiterhin Gute Fahrt,

Andreas

Kojak,Monk,Columbo,Ich

Gestern um 16:00 startete ich meinen Taxibus, um diese Woche möglichst schnell und ohne viel Aufhebens hinter mich zu bringen. Nächste Woche beginnt mein nächstes Projekt, die Erneuerung unseres Stalldaches. Die alten Platten sind löchrig und das Heu auf dem Boden verdirbt sonst. 2 Wochen Urlaub habe ich für dieses Unterfangen eingeplant.

Bis 20:00 hatte ich 5 Fahrten absolviert, davon 2 mit Rollifahrern. Abends läuft dann fast nur noch Sammeltaxi, kaum eine Bestellung, wie es am Wochenende zum Glück noch läuft.

Als die Kollegin in der Zentrale Feierabend macht und die Vermittlung in meine Hände legt, ist nur eine einzige Tour offen, um 00:24. Ich mache es mir auf der Couch in unserer Loxstedter Dependance gemütlich und beginne einen Artikel für meinen Blog zu schreiben. Alle paar Minuten schaue ich auf die Wanduhr. Der Zeiger scheint sich nicht zu bewegen, doch irgendwann bemerke ich, das eine Stunde um ist, ohne Lebenszeichen von potentiellen Fahrgästen.

So geht das Stunde um Stunde. Als ich das letzte Mal hochsehe, schlägt es 23:45. Ich beginne meine Kleidung zu richten, setze frischen Kaffee auf, damit ich bei der letzten Tour des Tages nicht einnicke.

Gerade als ich meine Tasche unter den Arm klemme, bimmelt das Handy.

„Verdammt, ausgerechnet jetzt wo ich den einzigen Auftrag habe!“, rege ich mich auf.

„Moin,moin, HerrTaxifahrer am Apparat, was…..“

„Du Ascheloh, ich schieb dir eine Colaflasche in dein Asch! Warum hast du nicht gekommen du **********konnte/wollte ich nicht verstehen***********“!“

Eigentlich beendet man so ein „Gespräch“ durch Auflegen, aber der Anrufer identifiziert sich als Boss von einem der lokalen Drehfleischläden und da er in der Vergangenheit eigentlich immer nur gesittet Taxis für seine Kunden bestellte, wollte ich wissen, was passiert wäre.

„Nun mal Langsam, ich verstehe die Aufregung nicht. Wer hat wo angerufen und einTaxi bestellt? Bei mir hat es seit 21:30 nicht mehr geläutet und kann die Aufregung nicht verstehen!?“

„Warum *******Bahnhof ******* Colaflasche in den Asch von dem Taxifahrer*****ich hab den sein Handynummer**********warum machst du das???????“

Mein ruhiger Ton versetzte den Mann wohl vollends in Rage, ich beschloss deshalb, dort eben vorbei zu fahren, noch hatte ich etwas Zeit.

Der Laden hatte schon geschlossen, ein paar Leute saßen noch davor und ich fragte, ob der Anrufer noch da sei. Sie sagten, der wäre wütend gewesen und nicht mehr da. Irgendwas mit Taxifahrer und Getränkeflaschen hätten sie gehört, aber nichts Bestimmtes.

So setzte ich meine Fahrt fort, zu meinem Fahrgast. Den Anrufer werde ich mir am Mittwoch vorknöpfen. Ich will das geklärt haben, Stress mit den Jungs von der Dönerfront muss ich nicht haben!

Ich ödele gerade die Hohewurthstrasse Richtung Bremerhaven, da meldet sich das Telefon wieder.

„Boah, 2 x in 4 Stunden, jetzt wird es aber nervig!“ Hoffentlich geht die Hasstirade nicht weiter.

„Moin,Moi……..!“

„Polizei $hierausdergegend, Kommissar $allerweltsname hier. Haben sie Heute Jemanden aus Hagen abgeholt?“

„Tja, sicher, ganz viele. Aber nicht nur ich, auch meine 20 Kollegen. Bitte grenzen sie das etwas ein. Die Zentrale hat schon geschlossen, ich sitze im Taxi und schaue wie ich helfen kann!“

Langsam hab ich einen „Köttel in der Hose“! Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Döner und diesem Anruf? Im Law-Blog empfehlen sie immer, möglichst den Mund zu halten, wenn die Polizei einen was frägt! Ich entscheide mich, erst einmal zuzuhören und dann langsam ins Kreuzverhör zu wechseln.

„So um 21:30, in der Nähe der $strasse !“

“ Ich war zu der Zeit nicht dort, ich rufe meinen Kollegen zu Hause an, der müsste noch wach sein, melde mich dann gleich!

Wir tauschten die Nummern aus und ich rief meinen Kollegen $griesgrahm an. Der nannte mir eine Sammeltaxifahrt um 21:31, genau von der Stelle, die der Polizist erwähnt hat.

Nicht nur die Beschreibung des Fahrgastes, sondern den Namen, das Alter und die Adresse und  was er vorher gemacht hat, konnte ich dem Polizisten petzen. Der schien aber gar nicht so glücklich zu sein, passte der Fahrgast so gar nicht in sein Täterprofil.

„Trotzdem vielen Dank für ihre zügigen Ermittlungen in diesem Fall, Danke nochmal, das war schnell!“

Wow, ich bin an einem Fall beteiligt. Na denn. Da werde ich doch Morgen, an meinem freien Tag direkt weiter nachforschen, wer, wo, mit wem gefahren sein könnte.

Ich bleibe dran, an meinem Fall!

 

Die pösen Taxifahrer so…

Beim Blättern durch das Internetz bin ich auf ein Angebot der Suedeutschen Zeitung gestoßen.

Ein umsonstener Führerscheintest! 

Wollte sofort mein Selbstbewusstsein durch Übererfüllung des Plans bestätigt wissen und begann mit dem Fragebogen.

Leider bin ich bei Frage 7 ins Straucheln geraten. Wer kann mir helfen!? Muss ich ein drittes Häkchen setzen?Bildschirmfoto 2015-05-07 um 12.33.42Quelle: Bildschirmfoto Website der SZ

 

 

 

Top Ten Liste

Gestern eine Top-10-Liste mit den stressigsten Berufen entdeckt. Taxifahrer auf Platz 10. Davor Ärzte, Feuerwehr, Polizei,Piloten. Auf Platz 2 Generäle und auf 1 „einfache Soldaten“!

Das Soldat und General ein anderer Beruf ist wusste ich noch gar nicht. Wahrscheinlich haben Generäle etwas weniger Aufregung, weil sie ggf. nicht selber durch ihre Entscheidungen sterben müssen.

Was haben Taxifahrer auf dieser Liste zu suchen, bzw. was rechtfertigt diese Platzierung? Für mich persönlich kann ich keine rechtfertigenden Gründe erkennen, warum Taxifahren Stress sein soll. Ich meine wirklich belastende, dauerhafte Zustände, die das Adrenalin nur so sprudeln lassen.

Über ekelige und ekelhafte Fahrgäste wissen wir schon einiges. Aber die törnen mich eher ab, als das sie aufputschen. Über die Tourenvergabe kann man sich manchmal Ärgern, aber da gibt es immer noch eine sogenannte ausgleichende Gerechtigkeit. Hetze von einer Abholadresse zur Nächsten kommt vor.

Taxifahren ist auch Arbeit. Jaaaahhaaaa!

Der Zwang immer pünklich zu sein, obwohl schon die Zentrale eine Verspätung angekündigt hat, verursacht Druck. Zu Beginn meiner Karriere half mir dieser Anspruch, wach durch die Nacht zu kommen. Heute kenne ich meine Strecken und Möglichkleiten besser und kann meine Ziele für jede Tour realistisch einschätzen. Ich bemühe mich, möglichst nicht zu trödeln und immer frühzeitig bei Fahrgästen zu sein. Manchmal kann ich  dadurch Zeit aufholen, wenn Fahrgäste „vor der Zeit“ zusteigen!

Taxler, die mit 120 durch die Stadt rasen, haben positiven Stress. Sie sind auf der Jagd! Auf der Jagd nach leichter Beute, weil oft in Spitzenzeiten an jeder Ecke zu finden. Mehr Beute = Mehr Einkommen = Weniger Stress ; oder Tot!

Taxifahrer lieben ihren Beruf und brauchen die Abwechslung und das Auf und Ab zwischen schlechten Auftragszeiten und Überbuchung. Sie wollen sich immer wieder beweisen, das sie Alles erreichen können. Ein Spiel. Die nächste Tour wird es richten. Der nächste Tag wird es richten. Der nächste Monat wird besser. Bald bekomme ich ein neues Taxi, die Fahrgäste werden staunen.

Taxifahrer gehen oft so lange auf die Jagd, bis sie beim Fahren einschlafen. Stundenlanges Ansitzen auf Kundschaft bietet Zeit für Kommunikation. Oft nur mit sich allein. Taxifahrer machen viel allein mit sich ab.

Ich habe mich entschieden, Abends und Nachts zu fahren. Weniger Stress. Rote Ampeln, eine Seltenheit. Schleicher, werden überholt. Lange Anfahrten, gehen gerade noch so. Rot- und Schwarzwild neben der Fahrbahn, schön anzusehen. Fernlicht von Vorn, eine Wonne. Schwertransporte, schöne bunte Lichter der Nacht! Geschwindigkeitskontrollen, immer zur falschen Zeit, am falschen Ort!

Aber Stress? Ich doch nicht!