Blinder Passagier

In Bremen keimte letzte Woche zum wiederholten Male eine Diskussion um die Mitnahme von Tieren im Taxi auf. Eine Blinde Frau wollte spät Nachts am Bremer Hauptbahnhof mit ihrem Begleithund ein Taxi nehmen.

Sie ging zum Taxistand und es folgte ein Spiessrutenlauf. Erst der 7. Fahrer in der Reihe am Taxistand erklärte sich bereit, die Beiden zu fahren.

Dabei gibt es eigentlich überhaupt nicht zu klären!

Seit Jahr und Tag ist es Vorschrift, ganz besonders im Bezug auf Blindenbegleithunde – die werden in fast jeder Taxiordnung besonders hervor gehoben – mitzunehmen.

In meinem Taxi ist immer Platz für einen oder mehr Hunde. Hier und hier!

Was treibt denn nun diese Kollegen Arschlöcher dazu, dieses Gesetz immer wieder zu unterlaufen, mit den fadenscheinigsten Ausreden?

  • Ich hab vor einer Sekunde einen Auftrag erhalten
  • Ich habe eine Allergie
  • Ich habe Angst
  • Ich habe keinen Platz
  • Es ist nicht verkehrssicher

Dazu kommen dann noch die Ausflüchte bezüglich der Religiösität, der Reinlichkeit, des bösen Chefs uvm.

 

Und wie reagiert die Umwelt?:

  • Shitstorm bei Facebook
  • Shitstorm im Weserkurier
  • Neue Erlässe der Behörden
  • Jammern der Behörden
  • Schulungen für alle Taxifahrer

Wie sollte sie meiner Meinung nach reagieren?:

  • Gleich der erste Fahrer führt den Auftrag aus
  • Er hat Gründe, den Auftrag nicht auszuführen, aber er übernimmt Verantwortung, kümmert sich und bringt die Frau zu einem Wagen der keine Hemmnisse hat
  • Die Frau geht gleich zur Info im Bahnhof, oder ruft eine Taxizentrale an, um sich ein hundegerechtes Taxi zu bestellen

Der Beruf des Taxifahrers war über Jahrzehnte geprägt von Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Service und Vertrauen. Die Schnelligkeit, mit der heutzutage solche „Storys“ verbreitet werden, ist enorm und der mensch hört/liest so etwas gern. Ruck-Zuck ist das Ansehen einer Berufsgruppe angekratzt und darf mit den Füßen getreten werden.

So, reicht, denn es gab diese Diskussion schon 1000-fach und sie wiederholen sich jedes Jahr auf Neue. Das die Taxifahrer diese Vorfälle wichtig nehmen, lässt sich an der Anzahl der Replys der Vorträge erkennen! Wer sich interressiert, hier Links zu mehr oder weniger hochwertigen Quellen:

 

Weserkurier 2015

Weserkurier 2015

Das Freie Taxiforum (Gleiches Thema, aber diesmal Hamburg, 2014)

DAS Taxiforum (Gleiches Thema, Hamburg, 2012)

Blödzeitung (Gleiches Thema, Hannover, 2013)

7 Kommentare

auf “Blinder Passagier
7 Kommentare auf “Blinder Passagier
  1. Oh Mann! Wie a+schig ist das denn????

    Ich gebe zu: Einen Hunfd wollte ich ab einer gewissen Größe auch nicht ohne entsprechende Sicherheitsdinger im Auto haben. Aus Sicherheitsgründen halt: Bei einem Auffahrunfall so ein halbes Kalb in den Nacken zu kriegen, ist nunmal gefährlich.

    Trotzdem ist es nicht nett, einer blinden Frau die Fahrt zu verweigern.

    Frage mal: Habt Ihr Taxler denn so Hundegitterdingsdinger oder generell ein Gitter drin oder wie ist das?
    (Bin seit ca. 25 Jahren kein Taxi mehr gefahren, 😀 )

  2. Ich fahre ja auch in Bremen Taxi und habe noch nie eine Fahrt wegen Tieren abgelehnt. Ich habe ehrlich gesagt eher die Vermutung, dass den KollegInnen am Bahnhof die Fahrt zu kurz war und der Hund der willkommene Anlass war, die Fahrt abzulehnen. Das ist allerdings kein bisschen weniger daneben und ärgert mich einfach persönlich ganz besonders.

    • Sehr löblich, das du Viecher immer mitnimmst!

      Kurze Tour hin oder her. Es gibt keine andere Möglichkeit, als einfach nur seinen Job zu machen. Aus dem Wagen aussteigen, nach hinten schauen und die Reihe zusammen mit der Dame abschreiten, damit ein williger Kollege gefunden wird.
      Sie hätte sich sicher und gut bedient gefühlt und es wäre ihr wahrscheinlich vollkommen Latte gewesen die 3 Meter zu laufen!

      Alle wären zufrieden gewesen, Kunde UND Taxifahrer/Taxibehörde.

      Und: In Bremen gibt es doch sicher schon hunderte Vorschriften die solche Fälle abdecken, was wird die Behörde sich nun aus dem Schädel drehen? Wesenstest für Taxifahrer? Vielleicht gar nicht so schlecht! 🙂

  3. @molly
    Das kommt ja immer auf den Wagen an. Eine Limo hat keine Abtrennungsmöglichkeit. Bei den Kombis lässt sich ein Netz hoch ziehen.

    Spezielle Hundegurte haben wir für die Taxis nicht. Die muss der Kunde mitführen, weil es verschiedene Ausführungen, je nach Größe des Hundes gibt. Das verhält sich bei Babyschalen für kleine Menschen ebenso, da es seit der neuen Verordnung eine solch große Anzahl gibt, das wir diese nicht vorhalten können.

    Die Hunde werden bei mir im Wagen immer so platziert, das sie nur eine kleine Gefahr darstellen. Auch wenn der Fußraum zu klein ist, ist er oft erste Wahl.
    Nebenbei bemerkt wäre es suuuper, wenn die Hundeleute ein Tuch/Handtuch mitführen würden, um ggf. zu verhindern, das das „brave“ Hündchen die Sitze zerkratzt. 95% aller Hunde, die mit mir fuhren, haben wenigstens versucht auf meinen oder den Schoß ihres Menschen zu kommen.
    Ich möchte hier ganz deutlich sagen das ich in dieser Beziehung etwas schmerzfrei bin. Bisher musste ich erst einmal die Rückbank abwischen, weil der kleine zuviel gesabbert hatte. Menschen haben das öfter!

    Anruf aus der Cocktailbar:
    „Kannst du Einen in den Heideweg fahren? Hat aber ’nen Hund dabei!“

    Das war vor 2 Jahren, die Cocktailbar mass 4×4 Meter, was für ein Tier hätte ich schon erwarten sollen?

    „Kein Thema, bin gleich dort!“

    Ich trat ein, hielt Ausschau nach Herrchen und Hündchen.

    „Wir kommen!“ schallt es aus von der Bar. Neben dem eher unscheinbaren männlichen Fahrgast bäumte sich ein riesiger Schatten auf!

    „Was ein Kalb!“ entfuhr es mir. Der „Hound of the Baskervilles“ war lang wie eine Dogge, hoch wie eine Dogge, ein Kopf wie ein Eisenbrecher.

    Während ich nach draussen zum Wagen vorging, hielt ich sogleich die Kamera bereit um den Transport zu dokumentieren. Herrchen nahm wie besprochen auf dem Beifahrersitz Platz und ich überlegte schon ob ich den nicht besser ausgebaut hätte. Der Riesenhund, ein „Cane Corso“, erstrampelte sich sein Areal. Von „Sitz“ war nicht die Rede, viel zu klein die Fußmatte. Bello entschied sich für „Männchen“!

    Ich gab ihm noch die Hälfte meines Sitzes Preis, nahm jedoch Abstand von dem Foto, da ich fürchten musste, die Kamera würde den Hund erschrecken. Eventuell würde der dann mich und/oder die Kamera herunterschlingen.

    Glaubt mir, es wäre ein Bild für die Götter geworden! Ich, so weit als möglich nach links gezwängt, das Herrchen unter der Last schwitzend und schnarchend, der Italiener mit breit auseinander gestellten Vorderpranken und vollgesabberten Lefzen mit dem Kopf schüttelnd über mir.

    Die Moral von der Geschichte: „Keine, denn ich habe es wieder getan!“ Solche Touren sind die Würze des Taxifahrer-Berufes. Immer noch besser als eine Horde unhöflicher und stinkender Betrunkener! Oder irgendwo herumstehen und keine Aufträge zu haben.

    • Oi! Prima, hab ich aus Dir doch glatt einen ganzen Extra-Beitrag rausgekitzelt! *Strahl*
      Ja, stimmt, Hund vorn im Fußraum hatte ich auch schon. Bin da auch relativ schmerzfrei, so lange es mir nicht ins Gesicht sabbert (so wie meine Kinder 😉 ).
      Lästig sind nur diese Hundreassen mit halblange,/kruzen aber extren borstigen Fell, dessen Haare sich in den Bezügen und der Kleidung irgendwie per Widerhaken einrastern. Bis man die mal wieder raushat … *schauder*

  4. Unverständlich, da die Blindenhunde in den mir bekannten Fahrverordnungen oder AGB (Bahn, uestra) gesondert erwähnt werden und frei mitfahren dürfen. Und im Taxi transportiert werden müssen – wie der Fahrgast eben auch.

    Unmögliches Verhalten deiner Kollegen in Bremen.

    • Ednong, das sind keine Kollegen. Das sind auch keine Taxifahrer.
      Das sind faule Nichtsnutze, der doofe Rest, den jede Berufsgruppe, so bedauerlich es ist, mit durchfüttern muss!
      Die Gesetzeslage ist eindeutig!

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