Überstunde*

*Eine tragisches Stück in drei Absätzen

Ein Stammkunde wollte nach dem 6-Tage-Rennen in Bremen mit dem Zug anreisen und gegen 2:00 am Bahnhof abgeholt werden. Er würde ggf. rechtzeitig absagen. Für den Fall, das er „versacke“, stellte er ein großzügiges Trinkgeld in Aussicht.

Pünktlich bezog ich am vereinbarten Ort Position, freute mich auf einen gutgelaunten Fahrgast und lauschte noch etwas den Spätnachrichten. Die hörte ich nun schon zum vierten Mal diese Nacht, weil in mir die Hoffnung schlummerte, das so spät vielleicht Irgendwo irgendein deutscher Politiker mit Anstand wach sei, daran arbeite, wie diesem Herrn Trump Paroli zu bieten sei. Die Nachrichten brachten dazu nichts Neues. Der Zug ist noch nicht eingefahren, ich checke den Fahrplan mittels meiner DB-App. Jetzt genau sollte der Zug….., „ach schau her, die Ampel schaltet auf Rot und die Schranken senken sich!“

Das Handy bimmelte. Der Stammgast war dran. Er sei quasi „in den Zug gestürzt“, „ein Wunder das er noch sprechen könne“! Die Ärzte leisteten ihr Bestes und da er die Nacht in Bremen im Krankenhaus verbringen müsse, täte es ihm leid, meine Dienste nicht mehr beanspruchen zu können. Ich kondolierte höflich und machte mich vom Acker.  Durch gefrierenden Nebel im Hollener Kamp fuhr ich in  den wohlverdienten Feierabend. Bin gespannt, ob er sich Morgen noch an seine o.a. „Vertragsstrafe“ erinnert.

 

Hinweis in eigener, persönlicher Angelegenheit

Es ist mir durchaus bewußt, das ich in diesem schönen Taxi-Blog anfange zu politisieren, aber keine Angst, das soll hier nicht zur Tagesordnung werden, aber ich nutze dieses Medium als Ventil für Frust. Und da die Arbeit im Moment wie am Schnürchen läuft, dachte ich, ich könnte was über Freunde/Follower schreiben, die bei Facebook, Instagram, usw. sich herumtreiben.

Meine Einstellung zur aktuellen politischen Lage auf der Welt entspricht etwa der, die ich schon als 10-jähriger hatte, als ich täglich Kriegsnachrichten aus Vietnam, Kambodscha oder dem Nahen Osten bei der täglichen 20 Uhr – Tagesschau konsumieren mußte.

Ich mochte Damals wie Heute nicht, das sich Menschen, die sich gar nicht kennen, aus völlig bescheuerten Gründen umbringen. Das Säbelrasseln der politischen Führer der beteiligten Nationen gehörte zur Tagesordnung. Von meinen Eltern, der Familie und Bekannten, welche den 2.Weltkrieg erlebt hatten, wußte ich einiges über die Gräueltaten aus dieser Zeit.

Nachdem ich während der letzten 2 Jahre schon einige meiner „Internet-Freunde“ wegen rassistischer oder sehr egoistischer Äußerungen dererseits aus meinem virtuellen Leben ausgeschlossen hatte, brach eine schöne Zeit der Harmonie herein. Mit Freude laß ich von Menschen, die Menschen in Not halfen. Von Menschen, die Menschen den Rücken frei hielten, weil diese anderen Menschen halfen. Von Menschen, die ein gutes Herz hatten!

Mit der Zeit wurde es in den verschiedenen Timelines dann wieder etwas kühler. Plötzlich meldeten sich „Freunde“ zu Wort, welche ewig nichts geschrieben hatten und begannen zuerst sehr konservatives Zeug zu teilen. Daraus wurde dann im laufe von Wochen ein Maschinengewehrfeuer -sorry- an extrem geschwollener rechter Grütze. Erst die Plattitüden der AfD, als die nicht mehr richtig zogen, FakeNews aus hunderten sich selbst zu Nachrichtenportalen erhobenen Internetseiten, welche sich wie ein Lauffeuer vermehrten, dabei das Nieveau immer weiter absenkten.

Diese „Freunde“ fragte ich immer, ob sie den geteilten Artikel überhaupt gelesen und verstanden hätten, sowie, ob sie sich der Quellen bewußt waren.

Da trennten sich unsere Wege, weil sie mich blockten, entfreundeten oder auf eine schwarze Liste setzten. Anders herum tat ich es ebenso.

Und wenn du denkst, das du deine Internet-Blase soweit bereinigt hast, das du dich von Gleichgesinnten umgeben fühlst, dann taucht wieder einer auf, um dir deine „Dummheit“ aufs Brot zu schmieren.

Gestern:

„Freund“ teilte Inhalt einer rechten Hetzseite. Darin forderte ein ausländischer Politiker Waffenbesitz-Erlaubnis für seine Landsleute. Ausländer dürften das dort natürlich nicht, denn vor denen will man sich ja schließlich schützen können.

Ich kommentierte, das ich solchen Mist in meiner Timeline nicht dulden würde, denn schließlich würden auch Freunde von mir, Dank der Facebook-Analogien auch diese Postings lesen können. Außerdem bat ich, mich zu Entfreunden, tat aber selbst den ersten Schritt. Punkt.

Dachte ich. Das Internet ist echt grausam und macht es manchmal schwierig, unerreichbar zu sein.  Der „Freund“ schreibt über den Messenger. Ich blockiere und lösche. Der „Freund“ schreibt mir per Whattsapp, das man sich in Deutschland schließlich gegen Räuber,Mörder und Vergewaltiger verteidigen können müßte. Gleichzeitig beschwert er sich, das ich nicht zu einer vernünftigen Diskussion bereit wäre. *mirschlechtwird*

Ich blockiere und lösche.

Etwas später:

„Tröt,Tröt“

Eine SMS von meinem „Freund“. Er fand es vermessen von mir, ihn überall zu blocken. Das hätte er nicht von mir gedacht.

Ich lösche den Kontakt und die SMS. Doof! Jetzt kann ich nicht mehr blockieren, weil ich die Nummer nicht mehr weiß…..

Etwas später:

Eine Freundin meldet sich per Messenger. „Klasse Reaktion…Menschen wie dich hab ich gern in meiner TL. Herzchen“

Ich weiß, das sie sich politisch sehr engagiert und ich auf ihrer Welle schwimme. Jedenfalls die selbe Richtung. Mir wird wieder warm.

Nun guckste, Facebook hat gleich vielen meiner Freunde auf die Timeline gelegt: „Der HerrTaxifahrer, der mag die Rechten nicht!“

Alles richtig gemacht, sage ich mir.

Etwas später:

Die Freundin schreibt noch einmal. „War das früher bei uns -in der Schule- auch schon so?“ und ich werde nachdenklich.

Ja, das war früher auch schon so. Es hat nur kaum Jemand gemerkt, weil alle mit den „Linken Extremisten“, RAF und Grünen in Gründung beschäftigt waren. Die Rechten lebten unbehelligt in ihrer kleinen Wehrsportgruppe (-Hoffmann), bis man sie 1980 verbot. Die haben damals auch Anschläge verübt, einer sogar beim Oktoberfest in München! Und hier ist auch der Bezug zu diesem Blog zu finden, der Spiegelbericht über den überlebenden Taxifahrer Bernd Kellner!

Das habe ich nicht vergessen! Das waren unsere eigenen Landsleute!

Latenten Rassismus gab es auch. Überall. Ich habe es am eigenen Beispiel erfahren. Ein Mann, der bis Anfang der 80er auf unserem Bauernhof immer die Milch für sich holte, fragte mich allen Ernstes mitten ins Gesicht, „ob die deutschen Mädchen nicht gut genug Ficken würden, oder was wäre sonst der Grund gewesen, warum ich eine Ausländerin (Mexiko) geheiratet hätte!?“ Hab den danach nie wieder gesehen. Oder als ich mit meinem niedlichen, braun gebrannten Sohn im Laden in der Schlange stand. Da kam eine Frau extra von ganz hinten angelaufen, um sich nach seiner Nationalität zu erkundigen. „Da er so dunkle Haut hätte, könne er ja nicht mein Sohn und schon gar kein Deutscher sein!“ Das war 1984. In Delmenhorst bei Bremen. Ich hatte schon damals solche „Freunde“ gehabt. Hatte!

Das lasse ich jetzt einfach einmal so stehen! Sonst besorge ich mir doch noch eine Waffe!

 

P.S. Liebe Neidbürger, Besorgtbürger. Ich bin nicht blöd und ihr könnt eure Ansichten behalten!

 

 

Freud zu Leid

Zwischen den Jahren, 22:30.

„Schön das du da bist, um diese Uhrzeit. Ihr Taxifahrer seid die Besten, immer da, immer bereit! Danke!. Bitte zuerst meinen Kumpel abholen und dann nach Bremerhaven, gibt auch ordentlich Trinkgeld!

Erfreut über soviel Empathie setzte ich mein strahlendstes Lächeln auf und entschied mich für den hochherrschaftlichen Fahrstil, d.h. Kurven sind großzügig zu schneiden, es ist weich zu Beschleunigen als sei die Queen oder Dynamit an Bord! Bremsen, so sanft, das der Fahrgast nicht mit dem Kopf nicken muß. Abstand halten, das man den Vordermann nur so eben erblinzeln kann und Vieles mehr.

„Fährst aber Autobahn, ne!“

„Sichi, Autobahn, sehr gern!“

Mit seinem Kumpel erreichte ich die A 27 Richtung Norden und mir wurde geheissen, etwas auf die Tube zu drücken.

„Jetzt mal „Kickdown“, hier kannste ruhig 160 (erlaubt 120) fahren!“

Jaja. Ich beschleunigte auf 120 km/h und erkundigte mich, welche Abfahrt es sein dürfe.

*nix*

„Welche Abfahrt, oder wo hin?!“

*nix*

Als wir soeben die Abfahrt „Süd“ verpasst hatten wurde der „Kumpel“ auf einmal wach und frug wiederum seinen Kumpel:“ Wollten wir nicht zum“ Krons Eck“?“

„Äh, ja klar. Taxifahrer, fahr einfach die Nächste ab!“

Bis hierhin war es nur ein kleiner Umweg von drei Kilometern gewesen. Nach einem kurzen Stop an der Sparkasse erreichten wir das Ziel.

„Geschlossen! Warum sagst du nicht Bescheid, du warst doch bestimmt schon hier Heute, Taxifahrer!?“

„Nein, bisher wollte Heute Keiner hier her!“

„Dann zur Lessingstrasse!“

In der Strasse mit den käuflichen Mädels angelangt, zeigte das Taxameter genau € 59,50. Mir sackte das Herz in die Kniekehlen. Das ist eine verdammt ungünstige Konstellation. Ein sehr hoher Fahrpreis, für eine Strecke, die auf dem direkten Weg vielleicht nur die Hälfte betragen hätte und Aussicht auf nur € 0,50 Trinkgeld bescherte. Und das bei all meinen Bemühungen eine perfekte Tour hinzulegen.

Und was dann geschah, hätte der HerrTaxifahrer sich nicht besser ausdenken können, weil das so bescheuert war, das glaubt keiner!

„Mach 50!“, sagte der Fahrgast jovial und reichte mir den passenden Schein.

Und dann dauerte es etwas. Von Außen betrachtet hätte sicher Jedermann angenommen, wir würden an der „Mannequin Challenge“ teilnehmen und unsere Bewegungen absichtlich für einen Moment eingefroren haben.

Das war es aber nicht, denn fast hätte ich meinem Fahrgast gedankt und wäre weggefahren. Mit einem 10er Verlust. Zum Glück hatte mich der zweite Blick auf das Spiegeltaxameter gerettet und meine rationale Gehirnhälfte hatte den Fehler festgestellt.

„Mein Herr, es sind € 59,50, ich bekomme noch weitere € 9,50 von Ihnen!?“

„Taxifahrer, das kannste vergessen. Fährst uns hier wild durch die Stadt und willst mich jetzt abzocken!?“

In diesem Moment griff der Kumpel von Hinten ein, reichte mir einen Zehner und sie verschwanden. Und in diesem Moment erinnerte ich mich zum Glück an einen Vorsatz, den ich mir zu Beginn der letzten Silvesterschicht gefasst hatte:“1

 

Und die Moral von der Geschicht!?:

„Trau angetrunkenen Fahrgästen nicht!“

 

Physik, Quanten, Taxi

Gerade an diesen Morgen hatte ich mir das Schulfernsehen gegönnt. Eine Erweiterung des Wissensspektrums ist immer eine feine Sache, besonders dann, wenn man glaubt etwas gelernt zu haben.

Da fahre ich also gerade durch das Örtchen Uthlede, als mir das Heute Morgen vermittelte, theoretische Wissen, nun hier vor Ort an einem Beispiel vorgeführt wurde.

Die Atome, aus denen mein Körper jetzt gerade zusammengesetzt ist, werden binnen 7 Jahren durch Andere aus unseren Universum ersetzt. Isso! Und dann tauchen sie  irgendwo wieder auf und machen etwas anderes.

Mittels sogenannter „Verschränkung“ können dann Photonen dieser oder irgendwelcher Atome dafür Sorgen, das an einem weiteren Platz im Universum das selbe Atom nocheinmal mit den gleichen Aktionen auftaucht.

Keiner weiß, wieso Photonen zweier weit von einander entfernter Orte immer den gleichen Zusrand annehmen können. Einstein nannte das einmal „einen Spuk“, andere „Beamen“! Beamen ist es aber nicht, weil es bisher nur mit Lichtteilchen klappte.

So, nun zur Praxis. Im Radio lief noch der von einem Kollegen voreingestellte Sender. Hier „Energy Bremen“. Und als ich gerade den Sportplatz links liegen lies, da wurden die aktuellen Blitzer durchgesagt. Unter anderen einer  zwischen Bramstedt und Langenfelde, etwas weiter weg.

Und da unsere Fototechniker nur 1  Gerät haben, fiel mir eben der Schulfunk von heute Morgen ein, als ich 100m weiter Höhe Quellenweg geblitzt wurde. Denn wenn Energy recht hatte, dann könnte hier in Uthlede nur der Photonenzwilling des gerade verkündeten Kontrollgerätes stehen. 

„Hatte der wirre Professor tatsächlich recht gehabt!?“

Ich fuhr nach Bramstedt, auf die Suche nach dem Original-Blitzer. Wie ich schon ahnte, es gab ihn nicht.

Energy wird von nun an aus meiner Senderliste verbannt! Etwas mehr Aktualität wäre echt toll.

Genau wie im letzten Jahr bekomme ich nun mein erstes Ticket schon Anfang Januar. Letztes Jahr blieb es dabei. Hoffentlich ein gutes Omen!

#lügenradio 

P.S. Wenn ihr etwas nicht nachvollziehen könnt, öfter morgens einmal bei NDR oder ARTE reinschauen! 🙂

Silvester 2016/2017

Der Dezember-Dienstplan erschien. 31.12.2016, 18:00 bis 06:00!

Es gibt Kollegen, die sich die Finger lecken würden, weil sie Trinkgeld und nette Fahrgäste wittern, in nicht unerheblichem Ausmaß. Da meine persönlichen Erfahrungen etwas sehr neben der allgemein geltenden Taxifahrer-Meinung lagen, war ich leicht angefressen. Da konnten auch die vier Tage Freizeit über Weihnachten fast nichts dran ändern. Tapfer erwartete ich den Tag, der mich wie immer zum Schafott führen würde.

Damit ich nicht in die Luft ging, in Stressigen Situationen, legte ich mir einen Plan zurecht:

  1. „Reg dich nicht auf, egal was passiert!“
  2. Bei kleinsten Pulksschwankungen siehe 1.
  3. 1.1.1.1.1.1.1.

Zu Beginn hatte ich 3 Touren gefahren. Dann war schlicht nichts mehr los. Insgeheim spekulierte ich damit, kurz vor Mitternacht nach Hause zu fahren, um mit meiner Frau den Jahreswechsel zu verbringen und mich danach ins Getümmel zu stürzen.

Wie in meiner ersten Silvesterschiucht 2010/2011 zog ich jedoch die Arschkarte. Zwei junge Damen hatten sich kurzfristig entschlossen, doch noch am Partyleben teilzunehmen und wollten dazu gern um 23:40 nach Bremerhaven gefahren werden. Ich dachte nur ans Eines:“1.“

„1.“

Aus Spaß fragte mich meine Kundin nach einem Festpreis. Und ich wollte gerade lospoltern, da fiel mir wieder ein: „1.“ Die Tour endete mit dem ersten Magnum-Trinkgeld, einem 10er!

Um 23:57 stand ich an der Aral-Tanke gegenüber der Bremerhavener Stadthalle und wollte mir just einen guten und sicheren Standplatz zur Beobachtung des in wenigen Minuten zu erwartenden Infernos sichern.

Entlang der Stresemannstraße hatten sich einige Gruppen zusammen gefunden, um ein massives Feuerwerkerlebnis zu feiern.

Ein klein wenig freute ich mich, diesen Moment geniessen zu können, während sich die „Sprengmeister“ noch die günstigsten Positionen für ihre Raketenbatterien aussuchten. Da traten zwei Männer an mich heran.

„Schaffen sie das, in 3 Minuten zur Deichstrasse und zurück!?“

Und dann saßen sie auch schon in meinem Wagen. Da war er wieder, dieser Moment der Hilflosigkeit, der Verzweiflung. „Warum immer ich, ich kleiner Taxiwurm in diesem Universum?“ „1.“

„1.“

Der eine hatte das Geschenk für seine Freundin vergessen und müsse es schnell, sehr schnell noch holen, bevor sie es merken würde. Denn sein Kumpel hatte schon mitbekommen, das das Mädel ein Paar sehr teure Sneaker vorbereitet hatte. Und 24 Leute würden dann Live dabei sein, bei seiner Demütigung!

Da mußte ich natürlich helfen! Als die ersten Böller viel zu früh zündeten, bahnte ich einen Weg durch den feuerspeienden Moloch. Nur wenige Minuten später traf ich wieder an der Tanke ein, mit einem bis über beide Backen strahlenden  Jüngling und einer Packung Parfüm im Wert von € 200,00!

Den Jahreswechsel hatte ich zwar verpaßt, aber immer hin für eine gute Tat. Die nächste Tour führte mich ins gemütliche Schiffdorf, gleich östlich Bremerhavens. Und wie ich den Weg durch die böllernde Gemeinde erlebte, könnt ihr in folgendem kleinen Video erleben, das ich für euch aufgezeichnet habe.

Von da an lief dann Alles wie am Schnürchen. Nette Fahrgäste, ausnahmslos! 

Und das Trinkgeld war auch OK!

 

 

 

 

*stöhn* (2)

*zierlichestimme,wiedievonMarion Ramseyvonderpoliceacademy*

„Geht es ihnen gut?“, erkundigte sich der  Beamte.

Mir schwanten Unannehmlichkeiten. Diese Frage bekam ein Taxifahrer immer dann gestellt, wenn er den stillen Alarm ausgelöst hatte und somit das  „Taxilicht“ auf dem Autodach blinkte. Davon bekam man im Innern nichts mit, ist klar `ne!

Ich trug vor, mich bester Gesundheit zu erfreuen.

Dann erfuhr ich, das ein  Autofahrer angerufen hatte, weil ihm der „Blinki“, dessen Sinn er von Facebook kannte – Virales Posting bezüglich „Blinder Alarm im Taxi“ – , aufgefallen war. Dann beendeten wir das Gespräch und sahen die Angelegenheit beiderseits als erledigt an.

Da hatte ich gerade den Alarm gelöscht -dazu wird der komplette Wagen zerlegt und verkehrt herum wieder zusammengesetzt-, als ein Auto neben mir hielt. Der Fahrer outete sich als besorgter Bürger und ich lobte ihn ausnahmsweise dafür, weil es ja um einen wichtigen Alarm ging. Ich wechselte noch einige höfliche Worte mit ihm, um meiner Dankbarkeit besonderen Ausdruck zu verleihen, aber als wir bei der sexuellen Evulotion der „B-Meisen“ anlangten, würgte ich das Gespräch ab. Feierabend und so weiter!

Wir setzten dann beide unsere Fahrt fort. Gerade als ich auf den Hof der Zentrale einbog, klingelte  das Handy abermals. Die Oldenburger schooon wieder.

„*kinderstimme* Hallo, hier noch einmal die Leitstelle, also, *räusper*, also, ich habe da so ein Gefühl. Bekommen. Wo befinden sie sich denn gerade? Ich würde ihnen gern einen Wagen entgegen schicken *leichteskinderstottern*, damit sich die Kollegen vergewissern können, das es ihnen wirklich gut geht!“

Blablabla. Ich schwor, keinen Meter mehr zu fahren, bis seine Streife mich gecheckt hätte. Blablabla.

„Nachtijall, ick hör dir trapsen!“, würde der Berliner Taxifahrer dazu meinen. Die wollen mich jetzt auch noch „abzocken“ oder wie. Einmal Einsatzkosten für:  -Taxi Einfach, mit Blinklicht auf dem Dach, Fahrer lebt noch, € 228,00 -.

Beispiel gefällig: Bremer Taxifahrer verdonnert

Eine halbe Stunde später traf dann die Besatzung ein, überzeugte sich von der ordnungsgemäßen Funktion meiner wichtigsten Körperteile und Organe, sowie Puls.

Der Streifenführer:

„Tja, die Kosten für den Einsatz…!“

Ich drohte zu kollabieren, der umsichtige Beamte wußte aber das entsprechende Gegenmittel.

„… die erheben wir nicht!“

„Puuuuuuuuuuh! Daaaanke!“

Der Streifenwagen, so der nette Polizist, wäre deshalb geschickt worden, weil der alarmierende Autofahrer angeblich so etwas wie eine gefesselte Person auf dem Rücksitz gesehen haben wollte, als er neben mir hielt und mit mir sprach.

Tolle Wurst! Na gut, ich will nicht meckern. Alle haben es richtig gemacht. Man möchte schließlich Hilfe bekommen, wenn man sie braucht.

Der Polizist und seine auch sehr nette Kollegin nahmen dann ihren gewohnten Dienst wieder auf.

Da fahren sie wieder vom Hof. „Pfffffffffffffffffft“

P.S.

„So, nun nur noch die Leiche aus dem Kofferraum laden und ab na`Hus!“ 

*stöhn* Haben die mich auf dem Kieker!? *schweissvon-derstirnwisch*

Liebe Leser, vielleicht erinnert ihr euch noch. Zuletzt hatten wir Kontakt mit den Oldenburgern hier und hier?

Eigentlich wäre es an der Zeit, eine Statistik von Polizeiaktivitäten in Zusammenhang mit mir als Taxifahrer zu erstellen. Eine Auswertung würde sich auf jeden Fall lohnen, bei der Frequenz meiner Begegnungen. Bin ich denn wirklich soooo kriminell.

Letzte Nacht verzögerte sich Deretwegen mein absolut wohlverdienter Feierabend. Von 22.06 bis 00:37 hatte ich mir 7 Touren reingezogen. Es war echt stressig, denn der Zeitplan war eng gesteckt. Ich gebe zu, das ich zwischen den Besetzt-Touren etwas geheizt bin, um die Termine zu halten. Also habe ich die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten zeitweise um gefühlte 5-10 Km/h überschritten. Kann auch 1 Km/h mehr gewesen sein.

Jedenfalls lief zuerst alles nach Plan. Ich rotierte ordentlich und schaffte jede Tour pünktlich. Ich konnte sogar noch eine weitere Tour dazwischen schieben, weil die Fahrgäste alle binnen Sekunden eingestiegen waren und ich schon unterwegs die Zahlungen abwickeln konnte (Sammeltaxi, feste Tarife usw.).

Um 00:45, ich fuhr gerade zur Abrechnung auf den Hof der Zentrale, bimmelt das verflixte Handy doch noch einmal.

*displayzeiganvorwahl0441*

Dollarzeichen erschienen vor meinem Antlitz und ließen mich die Rückenschmerzen, die von diesem Plastiksitz herrührten vergessen.

„Oldenburg, wie feini,feini,feini!“, das würde sicher 200 Öcken einbringen, also nahm ich das Gespräch entgegen meiner Gepflogenheit ab 00:45 keine Aufträge mehr anzunehmen, an.

„Firma von HerrTaxifahrers Brötchengeber hier, HerrTaxifahrer selbst am Apparat!“, twitterte ich fröhlich ins Mikrofon.

„Guten Abend,*Kinderstimme* hier spricht die Polizei Oldenburg. Haben sie einen Wagen mit folgendem Kennzeichen im Einsatz: CUX- * ***?“

*Erschreck*

Leichter Würgereitz breitete sich aus. Ohne Not schwoll meine Birne an und glühte Feuerrot.

„Verflixt, wo haben die mich denn jetzt erwischt. Sooo schnell war ich doch gar nicht unterwegs gewesen? Fuck!“, dachte ich.

„Ja, der Wagen ist unterwegs, sie sprechen mit dem aktuellen Lenker !“, stönte ich die Kontrolle verlierend vor mich hin, in der Erwartung einer Aufzählung der Straftaten und Verkehrsordnungswidrigkeiten, welche mir für diesen Abend zur Last gelegt werden sollten.

Doch was dann Geschah und die nächste Stunde zur Qual werden lies, hatte der HerrTaxifahrer nicht im entferntesten  erahnen können!

Leider Zum Glück muß ich mich jetzt um unsere Haustiere kümmern. Saubermachen, füttern, ausführen usw.

Deshalb gibt es die Fortsetzung erst Morgen!

 

Ein tougher (taffer) Kollege!

Der Neujahrstag war so gut wie gelaufen und so fand ich mich in unserem Aufenthaltsraum ein, um mit einem guten Kollegen den Ablauf des kommenden Jahres und einige arbeitsrechtliche Formalitäten klarzustellen – Sprich: Urlaubsplanung -!

Wir waren gerade ganz tief in der Materie versunken, als wir auf dem gemütlichen roten Ledersofa (ein Relikt aus unserem alten Ruheraum) sitzend ein Geräusch vernahmen, welches offensichtlich einen Großteil unserer Aufmerksamkeit bedurfte.

„Pang,Pang!“

Wir zuckten zusammen und horchten leise und konzentriert.

„Pong, Pang!“

Das klopfen kam aus einer Richtung, in der sich der Serverraum im ersten Stock befand.

„Pong, Pong!“

Wir spannten unsere Lauscher weiter auf, um jedes Detail in uns aufzunehmen. Adrenalin bahnte sich langsam den Weg durch unsere Körper, leicht zu erkennen an unserer Haltung, ähnlich einer zum Sprung bereiten Raubkatze!

Wir gingen Richtung Ausgang. Wortlos nickten wir uns zu und wußten, das da oben Jemand in Not ist, oder ein Einbruch stattfindet!

„Pong, Pong – Pang, Pong – Pong, Pong!“

Vorsichtig schlich ich hinter meinem Kollegen zur Tür. Er, der erfahrene und gut ausgebildete, im Hauptberuf „Drogenschnüffelnd“ unterwegs Seiende, schob mich sanft aus der Gefahrenzone. Aus Szenen verschiedener wichtiger Aufklärungsfilme, wie „Tatort“ oder „Der Kommissar“ hatte ich gelernt, was jetzt unmittelbar bevorstünde!

„Pang,Pang,Pang,Pang,Pang,Pong,Pong,Pang!“

Der Kollege riß die Aussentür auf, aggressiv dreinblickend baute er sich vor einem imaginären Widersacher auf, denn es war immer noch nicht zu erkennen, wo der Übeltäter säße, oder wo unsere Hilfe benötigt wurde. Das mein Kollege sich nicht über das Pflaster vor dem Gebäude abgerollt hatte, wunderte mich ein wenig, war aber sicher dem Umstande geschuldet, das er die obligatorische Handfeuerwaffe nicht mitführte.

„Pong,Pang,Pong,Pang!“

Mir blieb nur übrig, weiter zu lauschen. Das Geräusch wurde diffuser, je weiter wir das Gebäude verliessen.

Da schoß es mir durch den Kopf! Wie von einer Tarantel gestochen lief ich zurück in die Zentrale. Wirr und aufgeregt vor Glück vergaß ich fast, meinem sich immer noch in Gefahr wähnenden Kollegen von meiner Eingebung in Kenntnis zu setzen!

„Frank, lass es Gut sein! Hier, komm herein und stell dich neben diesen Heizkörper!“

„Pong,Poing – Pang,Pang!“

Um die Angelegenheit Wissenschaftlich zu untermauern, berührte ich den Radiator und konnte sogar fühlen, wie er unter Problemen mit falscher Luft in seinen Rohren litt. Ihr kennt das, Verdauung und so. Nur das die Heizung  buchstäblich ein Problem damit hatte, ihre überschüssigen Gase abzublasen.

Ich drehte das Thermostat in beide Richtungen -hatte neulich auch geholfen-  und das Klopfen hörte auf. Ich hatte mich erinnert, das das schon einmal an einem Nachmittag passiert war, jedoch weniger dramatisch klang, wegen der allgemeinen Geräuschkulisse.

Wir lachten wegen unseres Übereifers, fanden aber gut, das wir die Angelegenheit professionell angegangen waren, weil, es hätte ja auch was gaaaaanz Schlimmes sein können.

Wir nahmen wieder Platz, vervollständigten unsere Urlaubsscheine und als die Heizung jämmerlich zu Piepen und Pfeifen begann, suchten wir schnell das Weite.