Taxifahrt in Genf, ANNO 2003

In meinem Leben vor meiner Karriere als Taxifahrer, war ich erfolgreicher Bowlingspieler. 2003 hatte sich unsere Mannschaft durch gewinn der Deutschen Meisterschaft für die Europameisterschaften des Betriebssports qualifiziert.

Wir fuhren mit dem Zug, denn wir hatten reichlich Gepäck, zuviel für eine Kurzstrecke im Flieger. In Genf angekommen, gingen wir ca. 1500m bis zu unserem Hotel. Tolle Zimmer, sogar mit Blick auf den See und die Fontäne in der Nähe. Als wir ankamen, waren wir ziemlich fertig, hatten wir doch jeder 4 Bowlingbälle und einen Koffer für die Woche. Gut 40 Kilo pro Person, bei den Frauen 60…….

Das nur zur Info. Für den Rückweg entschieden wir uns am Sonntagabend für ein Taxi. Der Fahrer kam mit einem Bulli vorgefahren und wir luden unsere Sachen ein. nach 3 Minuten hielt der freundliche Fahrer vor dem Bahnhofsportal und bat, vor dem Aussteigen eben noch zu bezahlen. Bisher nichts ungewöhnliches, denn das Taxameter zeigte 11,50 an. Nicht wirklich billig, aber sicher einZuschlag, weil er mit dem Bus kommen musste.

Und dann erschrak ich ich plötzlich, denn der Fahrer benutzte eine Taste am Taxameter, um den Preis manuell in die Höhe zu treiben. Ich blickte ihm in die Augen und wollte schon den Puls messen. Ich dachte, der hat sicher einen Tic. Gerade, als ich ihm Eine scheuern wollte, um ihn von seinem Trauma zu befreien, da erklärte er sein Handeln.

Die Zuschläge für das Gepäck hatte er noch eingetippt. Jedes Gepäckstück kostet extra. Wir rechneten nach und kamen auf eine andere Summe und schallten ihn einen Betrüger.

Wir stiegen aus und wollten ausladen, das verriegelte der Chauffeur die Türen und wies uns an, erst einmal die Beförderungsbedingungen an der Scheibe zu lesen, bevor er die Gendarmen rufen würde!

Ein transparenter Aufkleber in Microschrift war dort aufgeklebt. Wir entdeckten im dritten Durchgang den entsprechenden Passus.

“ Bei Gepäckstücken, welche in mehrere Teile zerlegt werden können, zählt jedes mögliche Stück als 1 Gepäckstück!“

Supi, denn mein Bowlingrollcontainer war zusammengesetzt aus:

Je 2 Containern für 2 Kugeln, 1 Schuhtasche, 1 Zubehörtasche

Und so ein Teil hatte jeder von uns. Also wurden aus 4 Gepäckstücken gleich mal 16!

und bei 1,50 pro Teil hatten wir zum Schluß für 22 Gepäckstücke insgesamt zu zahlen.

Wir zahlten die 44,50 € ohne den Fahrer noch einen Blickes zu würdigen!

Wie hättet ihr reagiert? Findet ihr das angemessen? Ich würde mich schämen!

12 comments to “Taxifahrt in Genf, ANNO 2003”
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  1. Gepäck sollte meiner Meinung nach grundsätzlich im Preis inklusive sein. Und wenn es einen entsprechenden Tarif gibt, würde ich diesen niemals so weit ausreizen.

    • Genau! Manchen Menschen mangelt es an Fingerspitzengefühl.

      „Aber wenn so eine „Sau“ vor die Flinte läuft!“, wird sich der Fahrer gedacht haben.

      • Rein praktisch gesehen sollte es doch auch bloß möglich sein, solche Zuschläge ausschließlich vor der Fahrt (bzw. eine Minute nach Start der Uhr) zu veranschlagen, soweit ich weiß ist das bei den gängigen Taxametern in Deutschland auch die Regel, problematisch wird es dann natürlich, wenn man eine Fahrt mit mehreren Adressen hat und erst an der zweiten Adresse 20 Gepäckstücke in den Kofferraum geschmissen werden…

        • Es ist so, das ich den Zuschlag so lange per Taste addieren kann, bis ich auf „Zahlen“ drücke. Macht auch Sinn, weil oft später erst die Zuschlag bewährte Personenzahl erreicht wird.

  2. Wenns halt die Regeln sind? Du unterscheidest doch auch nicht über das Befoederungsentgeld nach Größe und Gewicht ? Oder müssen kleine Menschen weiter als große zahlen oder dicke mehr als dünne?

    • Wir fühlten uns überrumpelt und ausgenutzt. Ist wie bei dem Schlüsseldienst: „Ab 69,00€“ und dann kassieren die noch 70,00€ Anfahrt, für 2 Kilometer oder so.

      Eine kurzer Hinweis der Zentrale, das Gepäck extra geht, der Schmerz wäre nur ein Bruchteil stark gewesen.

      Bei uns steht zum Beispiel folgendes in der Taxiordnung:

      „Bei der Bestellung eines Taxibusses, oder falls es sich um „Winker“ handelt vor Antritt der Fahrt, ist dem Kunden bekannt zugeben, das der Zuschlag ab der 5.Person einmalig 5€ beträgt.“

      Da gibt es später keine Missverständnisse, ganz Einfach!

  3. Das ist schon ein starkes Stück.
    Wenn er wenigstens einen Anflug von Kulanz gezeigt hätte, also meinetwegen jedes Bowlingset als zwei statt vier Gepäckstücke zu berechnen. Und dann noch das Gepäck einfach wegsperren und mit der Staatsmacht drohen!
    Aber wahrscheinlich gehört es zum Geschäftsmodell, ahnungslosen Fremden das Fell über die Ohren zu ziehen.
    Wart ihr beim bowlen wenigstens erfolgreich?

    • Im besten Fall habe ich auch immer eine Geisel (Eierfon oder Geldbörse), wenn es Zahlungsprobleme gibt. Ist fies, hilf aber immer. Siehe Oben,lol!

      Im Doppelwettbewerb hatten mein Partner und ich das höchste Einzelspielergebniss. Je 279 Pins. Wir erhielten jeder eine dekorative Armbanduhr, selbstredend eine Schweizer!

      Ansonsten hatten wir uns auf den kulinarischen Wettbewerb der Genfer Gastronomen verlegt. Einfach bombastisch, was die auf den Tisch bringen. Und so ein „Marchè-Lokal“ ist ja fast wie Buffett mit „all u can eat“. Über den Preis möchte ich hier nicht viel sagen. Es war teuer, dafür extrem lecker, die Preise standen dran und ich hatte es noch Monate später an den Hüften!

  4. Mal abgesehn davon, dass ich Zuschläge für (normales) Gepäck im Taxi nicht für angemessen halte, aber wenn der Tarif nunmal so ist:

    Einerseits verständlich, wenn man verhindern will, dass eine Reisegruppe ein riesiges Seil um alle Koffer bindet, um dann zu behaupten, es handele sich nur um ein einziges Gepäckstück.
    Andererseits aber: Was soll denn ein Gepäckstück, das in mehrere Teile zerlegt werden kann, sein? Das gilt ja letztlich für jedes Gepäckstück, und sei es, dass man es öffnet…

    Aktuell scheint es diese Regelung allerdings auch nicht mehr zu geben. Hier steht jedenfalls nichts davon:
    http://www.astag.ch/upload/docs/ASTAG/20080808085440/Tarife_d.pdf
    und, auch wenn mein Französisch etwas eingerostet ist, kann ich hier ebenfalls nichts davon lesen:
    http://www.cagi.ch/files/pdf/Taxis.pdf

    • Gepäck wird in der Schweiz aktuell so gut wie immer berechnet. Auf welcher Grundlage der Fahrer seinerzeit die Anzahl der Gepäckstücke ermittelt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht hat er den angebappten Text einfach nur etwas zu seinem Vorteil übersetzt.

      In unserem Fahrgebiet gibt es keinen Zuschlag für Gepäck, währe manchmal aber nicht ganz schlecht. Z.B. Fahrräder oder der Kranz von einer Hochzeitsfeier. Die hinterlassen viel Dreck und das Reinigen verursacht Kosten. Aber egal, ich bekomme Stundenlohn, hihi!

      Das schreibt Google zum Tarif 2005
      Preisstützung: CHF 6.30 pro Kilometer Preis: CHF 3.20 (Position 1) – CHF 3.80 (Position 2) Rate pro Stunde Wartezeit: CHF 60.00
      Zuschläge: CHF 1.50 pro Stück / Objekt + 5 kg / CHF 1.50 pro Stück / Objekt Hause transportiert / CHF 3,00 pro Stück / Objekt + 30 kg oder wenn das Gesamtgewicht des Gepäck über 75 kg CHF 3.00 pro Stück / Objekt.

      Lustig, das es keinen Mengenrabatt gibt. Im Gegenteil, es wird richtig teuer, je mehr du mit dir rumschleppst. Und wir hatten reichlich Kilos!

  5. Ich glaube das Zauberwort lautet hier Kulanz / Menschlichkeit und passt hier super rein – Der Fahrer hat recht und darf soviel Geld dafür nehmen. Der Fahrgast (bzw. Ihr Gäste) wart ortsfremd und es war eine kurze Tour.

    Man hätte sich einfach in der Mitte des Betrags treffen können. Und so hätte jeder sein gesicht gewahrt. Aber es gibt Menschen, die sind Hitzköpfe und neigen zu solchen Reaktionen…

  6. Kann man nur sagen:
    Weniger Kugeln, mehr Essen – und schön hätte euch der Ausflug weniger gekostet! 😀

    Nee, ernsthaft:
    Ist schon blöde, doch wenn es die Regeln sind. Ich stimme allerdings mit dir überein: man hätte es vorher kommunizieren können.

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