Mathematik im Taxi

Sie hatte sich mit dem Sammeltaxi über zwei Linien nach Hause bringen lassen. Als Auszubildende  ohne Zeitfahrkarte und älter als 15 Jahre hatte sie 2 x € 3,00 zu bezahlen.

Dazu überreichte sie mir einen Zehner. Ich legte ihr das Wechselgeld im Gegenzug in die linke hohle Hand. Mit dem Zeigefinger der Rechten mischte sie offensichtlich irritiert,  stirnrunzelnd, die Münzen mehrmals.

„HerrTaxifahrer, sie haben mir  Zuviel zurück gegeben“ 

Unsicher, welchen Wert der Betrag haben sollte, rührte sie die Münzen noch einmal gut durch und hielt einen 2er hoch, fragend in meine Augen schauend.

Behutsam hielt ich ihre Hand, stützte sie und nahm dann auch meinen rechten Index, schob die Münzen in eine nach Größe sortierte Reihe und rechnete laut vor:

„2+1+1=4!“

„Oh,…ich komme immer auf Sechs! Was das denn!?“

„Vielleicht sollten sie mir einfach vertrauen! In Mathe hatte ich immer mindestens ein Gut!“

Ich würfelte meine Kundin aus dem Taxi, während sie den Münzen Namen gab, sie in ein Tuch hüllte und beschwor. Ich verabschiedete mich und fuhr vom Hof, mich an ein Lied aus der Kindheit erinnernd:

*summ*

2 x 3 macht 4

Widdewiddewitt und Drei macht Neune !!

Ich mach‘ mir die Welt

Widdewidde wie sie mir gefällt ….

Trinken, Trinken, Trinken!

Für Heute war schönes Wetter angesagt, was dann auch übererfüllt wurde. Ich mag solche extremen Wetterlagen gern, sie erinnern mich an meine Zeit in Texas, wenigstens ein ganz klein wenig, wenn auch nur klitzeklitzekleines Bisschen. Dort wurde aber nicht gleich wegen jedem Grad über Null der Notstand ausgerufen. Einmal hatten wir 47 °C und das einzige, was im Fernsehen lief war Werbung für Rasensprenger!

Hierzulande treten dann auf jedem Kanal Fachleute aller Couleur ins Rampenlicht, rechnen Flüssigkeitsmengen vor, geben Tipps zur Hautpflege und beschwören die Menschheit, sich an heißen Tagen zu schonen, bloß nicht zuviel tun.

Das haben 2 Typen gleich wieder falsch verstanden, sich den ganzen Tag mit hochprozentiger Flüssigkeit versorgt, die Hautpflege erledigte eine krustige Schicht aus Männerschweiss. Und geschont haben sie sich auch, weil sie den HerrnTaxifahrer für den 800 Meter – Nachhauseweg buchten! Mach ich doch gern. Und weil ich für die 800m noch eine Abkürzung kannte, gab es ein fürstliches Trinkgeld. Das habe ich erst einmal in eine Plastiktüte getan, um es, bevor ich es wieder in Umlauf bringe, zu reinigen. Das Scheinchen war so feucht und labbrig, das es drohte zu zerfallen. Mit ein wenig Pflege und dem Bügeleisen könnte daraus wieder richtiges Geld werden. 🙂

Zwischendurch, kurz nach Schichtbeginn, schaute ich auf meine Wetter Com – App und musste erstaunt feststellen, das über Hessen und NRW wohl Jemand Wolken in Form eines Fingerabdruckes gesprüht hat. Und mein Chemtrailabwehrhut* liegt natürlich wieder zu Hause!

So ein Teufelswerk! :-)

Fingerabdruck aus Wolken, das Radarbild beweist es! 🙂

*Hier mein Helm! Bauanleitung hinterm Mond gleich links!

aluhut

Eigene Erfindung. Rot lackierter Tarnhelm aus massivem Aluminium, mit als Blumen getarnten Magnetwellenableitern!

 

School’s Out!

Heute Nacht steigt im Pam die Party zum Ferienbeginn. 

Gleich die erste Tour ließ erahnen, welch Geistes Kind die Fahrgäste sein werden. Nämlich die Kinder des Weingeistes, aller Art und Konzentrationen. 5 Minuten nach Start des Taxameters hatte sich endlich der Letzte angeschnallt, 500 m war die Strecke, als einer die seitliche Schiebetür während der Fahrt öffnete und last but not least dauerte es 15 Sekunden bis er von der Fahrt ausgeschlossen, wie ein Kleinkind strampelnd und stampfend, am Straßenrand zurückblieb!

Gut, das ich nur die normale Schicht bis 01:00 hab!

Noch einmal am Rande:

Die Eltern der meisten 16-17 jährigen Teens wissen nichts von dieser Party, weil nicht sie, sondern die Kids die „Muttizettel“ genannte Vollmacht selbst unterschreiben. Die Kinder müssen nur einen 18-Jährigen finden, der so blöd ist, die „Aufsicht“ zu übernehmen. Name eintragen und Zack, fertig ist die Disconacht bis morgens um 5!

Ticker, Samstag der 18.6.16 Teil 3 (ohne UFOS!)

3:00 Es geht vom Pam nach Düring. Eine von den simplen Touren, ohne Kopfkino, Ohrensausen oder Nasenquälerei.

3:30 Bexhövede nach Loxstedt. Meine angetrunkene Beifahrerin sucht Körperkontakt. Mit größter Mühe kann ich sie abhalten, zu mir herüber zu krabbeln, das  – mehrere – Zentnerweib! Sie greift sich immer wieder meinen rechten Arm, um ihn irgendwie zu begrapschen. Mir wird schlecht. Allein schon wegen so `ne Bakterien. Wer weiss, was die diese Nacht schon alles befummelt hat!? Nach 8 Minuten bin ich sie los, renne 3 Mal ums Taxi – um den Woodoo – Zauber zu vertreiben -.

4:08 Hier hatte ich dann etwas Luft, um mir meinen 2. Kaffee diese Nacht zu brühen. Ich brühe ich nicht wirklich, ich löse auf, mit heißem Wasser. Diesen von Jacobs 3 in 1. Neben Milch und Zucker ist da auch gleich Kaffee drin. Mir reicht ein Tütchen pro Becher nicht – Plörre – , ich haue da 3 Stück rein. Hält auch besser wach so!

Die Sonne kündigt sich im Osten an und passend dazu läuft auf meinem Rentnersender – NDR! Niedersachsen – „Here comes the sun!“

Übrigens höre ich gern Bremen 1 und NDR 1, weil die Musik nicht so aggressiv macht. Außer der Schlagerwunschstunde natürlich, da drehe ich durch. Aber dann schalte ich auf NDR INFO.

5:00 Meine letzten Fahrtgäste wollte ich am Pam aufnehmen, danach sollte FA sein. Es stiegen dort ein Mann und eine Frau nach Meyenburg zu. Wenn er nicht die ganzen 20 Minuten sehr laut über seine Kenntnisse als Fahrgast doziert hätte, wäre es ein schöner Stich gewesen. Aber er entlohnte mich mit € 5,00, weil ich so brav zu gehört hatte!

5:40 Auf dem Display steht „-mach Schluß und fahr in die Zentrale-„. Schön dachte ich und wollte gerade den Schlips ablegen, als mir in der Ortsmitte von Hagen eine 4er-Gruppe vors Auto sprang.

„Fahr uns zuhn Bäkka, un danna Hause!“

Das Ziel lag zwar nicht auf meiner Feierabendroute, aber mehr als ein paar Minuten dürfte es nicht dauern. Hatte ich mir gedacht! Der Stopp beim Bäcker dauerte schon an die 10 Minuten, weil jeder ein individuell geschmiertes Brötchen haben mußte. Ich wurde auch eingeladen, lehnte aber wie gewöhnlich höflich ab, mit dem Hinweis, das ich eher auf Bares stehe.

Nach einem angemessenen Trinkgeld und schönen Wünschen konnte ich diese Schicht endlich beenden und fuhr um 6:30 auf den Hof der zentrale.

Im Radio spielte „I`m a train!“

Nein ich war kein Zug, aber ich wäre gern so stark wie einer!

Ticker, Samstag der 18.6.16 Teil 2 (mit UFOS!)

00:10 Bestellung vom Campingplatz ins Pam. Sie möchte bei der Volksbank Geld ziehen, aber die Karte gibt nichts her, technischer Defekt meint sie. Wir besuchen noch eine Volksbank und eine Sparkasse. Sie leit sich dann doch lieber Geld von einem Bekannten, nachdem € 15,00 für Automatensuche für Taxi drauf gingen.

Ich bekomme trotz Ebbe in der Kasse ein gutes Trinkgeld.

00:40 Sammeltaxi von Albstedt nach Hagen. Ich fahre nach Osten und biege in die L135 nach Süden ein. Hagen liegt auf einem Hügel (Höhe 4-6 Meter), der Blick in die Senke Richtung Dorfhagen läst ein Gefälle erkennen, was man in Norddeutschland eben so Alles Gefälle nennt, wo die Brücke über die Eisenbahn in Stubben der höchste Punkt im Landkreis ist! 🙂

Also, wo ich drauf hinaus will ist folgende Beobachtung, die mir echtes Kopfzerbrechen bereitete:

Etwa in höhe des ehemaligen Dorfkrug setze offensichtlich ein Fluggerät zur Landung an, zu erkennen an den Positionslichtern. Ich machte weiße und rote Lampen aus, der Flieger kam mir also entgegen. Vooooorsichtig! Ich bremste ab, nahm das Handy, suchte die Kamera -wegen Youtube und so – , schaute wieder hoch, da drehte der Flieger ab, gewann an Höhe und verschwand hinter den Bäumen der Dorfhagener Allee Richtung Albstedt City.

„Boooooooom! Ich hatte wieder beschleunigt, um zu sehen was weiter passierte. Ich traute meinen Augen und meinen Sinnen nicht mehr. Ich fiel auch sofort vom Glauben ab. Etwa in Richtung zweier Mega-Kuhställe sah ich die Umrisse von zwei dreieckigen Flugmaschinen, welche wie in einem SciFi-Film über einander und wieder untereinander durch kreuzten!

!!!!!!!!!U-F-O-S!!!!!!!!!einsdrölfzig!!!2!

„Es gibt keine Ufos, fertig ab!“, mein Bregen sagt das und das ist so war! Ich schaue hoch. Und wieder sind sie da, ziehen jetzt höher ihre Bahn, ändern die Form und entfernen sich in der Höhe.

Ich gebe Gas, um das einmalige Schauspiel nicht zu verpassen. Die Kamera läuft, auch wenn die Aufnahmen nur das hergeben würden, was tausende anderer Ufo-Sichtet bisher lieferten. Das muß das Schicksal eines jeden ehrenhaften UFO-Jägers sein. Unscharfe Aufnahmen….

Auf dem Vorschaubild von diesem Artikel sind die Ufos ganz deutlich zu erkennen!

Ufos

2 Punkte, linkes Bilddrittel, ganz klar Ufo-Teile!

Endlich erreiche ich das Dorf und befinde nich nun fast unter den fliegenden Scheiben. Am Eingang der Gaststätte Land und Stil verfolgen Gäste genau so, wie ich fasziniert das dargebotene Schauspiel, den Tanz der Lichter, die unglaubliche Dimension dieser Erscheinungen.

Ich springe aus dem Wagen und geselle mich zu der Gruppe, um diesen Moment gemeinsam mit den anderen zu geniessen.

„Sind sie nicht schön anzusehen, diese Wunschlaternen!?“, riss mich ein Mann in meinem Alter aus der Trance.

Ich schaute jetzt durch den scharfen Teil meiner Gleitsichtbrille und zoomte so lange, bis auch bei mir der € fiel. Hier gab es eine Hochzeit, die haben einige zig sogenannte Kongming-Laternen fliegen lassen!

Und zufällig erschienen die mir in einer solchen Formation, das ich ein Irrlicht ion form von unbekannten Flugobjekten sah.

01:00 Die Ufos gehen mir nicht aus dem Kopf. Wie leicht sich doch meine Wahrnehmung täuschen lässt. Ich wäre fast durchgedreht, ehrlich.

Ich habe meinen Fahrgast aus Albstedt abgesetzt. Der nächste Auftrag kommt rein.

01.45 Die nächsten beiden Touren kommen von der Hochzeitsgesellschaft, die mir den kalten Schauer besorgt hatten. Sie hatten gleich die Nummer von meinem Taxi abgeschrieben. Hat sich also gelohnt, das Kopfkino!

Zwei Pärchen nacheinander in die selbe Richtung, aber ich sollte sie getrennt chauffieren. Sie mochten sich nicht. Sie zogen während der Fahrt unabhängig von einander mächtig übereinander her. Ich hab natürlich Alles notiert, wer weiss, wozu diese Informationen einmal nützlich sein können.

2:40 Leute am Pam abholen. Sie kommen aber nicht zum Treffpunkt. Macht nichts, die nächste Tour von der Hochzeit wartet. Der Mann hat seine Börse nicht dabei und ich muß vor seinem Haus warten.

Im Radio gibt es gerade „Dreams are ten a penny!“

Mein Fahrgast soll € 10,10 berappen. Er kommt mit einem 50 er und er reicht ihn wortlos hin. Die nächsten Sekunden entscheiden über Sekt oder Selters. Ich warte immer drei Sekunden. Wenn der Fahrgast dann keine Trinkgeldanlage gemacht hat, gebe ich raus, ohne weiteren Kommentar oder Bettelei. Das fände ich herabwürdigend für mich als Fahrer und beleidigend für den Fahrgast. 3 Sekunden, so lange dauert das folgende Wort abgehackt gesprochen:

“ Ted-dy-bär!“

Ich reisse mich zusammen! “ Ted-dy-bär!““ Ted-dy-bär!““ Ted-dy-bär!““ Ted-dy-bär!““ Ted-dy-bär!““ Ted-dy-bär!““ Ted-dy-bär!“

Nichts, keine Reaktion. Ich gebe glatte € 40,00 zurück, er bedankt sich und kündigt mir ein reichhaltiges Trinkgeld für die Zukunft an. Das sind mir die Liebsten! Egal, weiter im Takt.

Und ich hab noch so viele Touren zu beschreiben, das ich das Heute nicht alles schaffe zu erzählen.

Teil 3 dann kurzfristig Morgen oder spätestens Übermorgen!

 

Ticker, Samstag der 18.6.16 Teil 1

20:00 Dienstbeginn.

Auf der Fahrt dort hin fiebere ich mit der Isländischen Fußballmannschaft, es ist schließlich EM. Ich biege in Lohe ein, es steht 1:0 für die Insel. In der 98. Minute, ich passierte das Feuerwehrhaus in der S-Kurve, fiel das 1:1. Schade, ich halte gern zu den Nobodys, ich hätte es ihnen gegönnt!

Im Radio läuft „Die Legende von Babylon“, gesungen von Bruce Low. Schon in den 70ern eine Tortur, dieses Cover von Boney M. Es hielt sich 28 Wochen in den Charts, die beste Platzierung war die 6. Wenn das ein Omen sein soll, dann sage ich jetzt schon „Gute Nacht!“

21:16 Sammeltaxi von Offenwarden nach Hagen. Die junge Frau möchte zur Party. Wir hören Neil Diamond, er singt „Forever in Blue Jeans“. Als ich das Lied 1979 hörte, wollte ich auch mein Leben lang diese „Nietenhosen“ tragen. Hab ich geschafft.

22:17 Das was jetzt kommt wäre schon einen eigenständigen Artikel wert! Aber Heute gibt es den Ticker. Es läuft „Sexy“ von Marius MW.

„Sexy,was hast du mit diesem Mann gemacht!?“

Gleich geht’s los, muss erst noch etwas fahren!

Sooooo. Mein Kopf raucht, die Touren sind schön aber alle laufen irgendwie aus dem Ruder.

Erst sollte ich 2 Frauen vom Bahnhof Lübberstedt nach Hagen, ins Pam Pam bringen. Die fand aber nicht vor. Sie hatten sich im Zug vertan und kämen nun eine Dtunde später an. Die Zentrale schickt mir eine Tour in der Nähe. Vom Schützenfest in Axstedt in ein Dorf in der Nähe.

Der Wirt bringt meinen Fahrgast persönlich. Offensichtlich ein Totalschaden, der schnell zu Mutti gebracht werden muss!

„Moin, wohin soll es gehen?“

„Inne Helenenschraaße! Kennste?“

„Klar, haben sie genügend Devisen? Es kommen ca. €110,00 dabei heraus!“

Er öffnet seine Börse mit reichlich 50 ern und ich starte sogleich Richtung Alte B6.

„Fahr mich nach Hause!, ändert er in Höhe Schwanewede seinen Kurs.

Ich erkundigte mich ein weiteres Mal nach seiner Adresse.

„Du bringst mich doch jetzt nach Ihlpohl innen Puff, sicher, machst du das!? Oder?“

Klar, ich teile ihm meine Bereitschaft für alle Schandtaten der Welt mit und lege wieder Kurs südsüdost an, Club 6, sehr gern.

Er änderte seine Meinung noch 5 Mal bis ich endlich am Liebestempel unter der Hochstraße ankam. Er wünschte mir noch einen schönen Abend, vergoldete ihn mit einen 10er Tip und taumelte gegen einen Jägerzaun, rappelte sich auf und fand endlich das Tor mit dem Rotlicht.

Auf dem Rückweg sammele ich meine Mädels auf, die verspäteten. Am Pam springen dann gleich drei junge Männer in meinen Wagen. Sammeltaxi zum Bahnhof zurück!

Der Türsteher würde sie hassen und sie hätten nun lebenslanges Hausverbot. Dabei waren sie sehr höflich, nüchtern, nicht aggressiv, nur traurig über den versauten Abend!

Jetzt warte ich bis 23:37 und nehme weitere 4 Teenies mit ins Pam. So kann es weitergehen!

Im Radio hört man folgendes:

00:08 Großen Pott Kaffee gemacht. Ich stelle mich jetzt am  Pam an, die Türsteher scheinen ja frühzeitig Rücktouren zu organisieren 🙂

3:48 Ich fahre ohne Pause, keine Zeit zum Schreiben,sorry!

Werde den 2. Teil nachliefern.

Brühe gerade schnell den 2. Pott Kaffee und dann geht’s gleich wieder los!

Kaffee ist fertig!

Film ab!

Fahrgäste neigen ja Regelmäßig zu einer übertriebenen Vertrautheit gegenüber dem HerrnTaxifahrer, der sich dann auch anschickt gut zu zuhören, wegen der zu erwartenden Sensation für den Blog, damit der geneigte Leser etwas aussergewöhnliches zum Konsumieren hat.

Neulich hatte ich wieder ein Erlebnis, welches viele Andere hier in diesem Blog in den Schatten stellt. Zu Beginn der Fahrt mit der mir bis dahin unbekannten Frau versuchte ich wie üblich über das Wetter im Südkaukasus oder auf Hawaii mit ihr zu debattieren, um die Tour etwas aufzulockern.

„Schönes Wetter Heute!?“, eröffnete ich klassisch.

„Ich weiss!“, konterte sie meinen Schachzug, um mit einer Rochade vom Klima abzulenken und fortzufahren mit: “ Da sie mich das erste Mal fahren, möchte ich mich kurz vorstellen und etwas berichten, damit sie im Bilde sind!“

Die Büchse der Pandora öffnete sich mit einem lauten knarzen! Ich überprüfte kurz, ob ich auch angeschnallt war und spitzte meine Lauscher.

„Jetzt muss ich zu den Strahlen. Weil der Herr Doktoor nicht auf mich gehört hat! Hätte der früher zugehört, hätte ich diese Operation nicht haben müssen! Ich wollte eine Koloskopie, sie kennen das!?“

Nein nicht wirklich! Aus dem Italienischen kannte ich das Wort „Culo“, welches ins Deutsche übertragen „Arsch“ bedeutete. Mir fiel dann noch ein, das ich als kleiner Junge ein Mikroskop geschenkt bekommen hatte. Damit hatte ich allerlei Dinge betrachtet. In der Summe nahm ich an, das sie gern gehabt hätte, der HerrDoktor hätte ihr mit einem – nicht Mikro –  Skop in den Arsch geschaut! Der Vorspann des Filmes lief umgehend an. Vor meinem geistigen Auge öffnete sich ein Po und ein Optisches Guckwerkzeug schritt hinein.

Sie schaute kurz zu mir herüber, ich nickte, brummte „mmmhmmm!“

„Wenn der mir gleich geglaubt hätte, dann hätte der die Polypen im Darm schon viel früher und ganz leicht entfernen können, die waren bestimmt nur 5mm groß gewesen!“

Durch das Skop konnte ich die lustigen Gesellen sehen, wie sie sich an der Wand des Darm festsaugten und ernährten. Es stellte sich latente Übelkeit bei mir ein und sie legte nach:

„Aber jetzt, als die Schmerzen kamen, da guckt er dumm aus der Wäsche. Jetzt sind die schon auf 4cm angewachsen. Und dort wo sie saßen muß nun gestrahlt werden, wegen der angenommenen Krebsgefahr von 20 %!“

Es folgte noch ein „Rundumblick“ durch die Anamnesen der Verwandtschaft, welche auch unter vergleichbaren Symptomen litten und deren Therapien. Mein Gehirn projizierte riesige plumpe runde Möppel* vor meinem Auge, die frassen und frassen, Alles was ihnen vor kam!

Endlich am Ziel. In 20 Minuten kommt sie wieder von der Bestrahlungstherapie und es geht zurück.

Inzwischen hat es zu Regnen begonnen und ich überlege allen Ernstes, sie darauf anzusprechen.

„Bin ich denn bekloppt?“

 

 

*Möppel sind so Dinger oder auch nicht!