Alles hat ein Ende nur die Nachtschicht hat 2 (2)

Ich hatte soeben meine Suchanfrage gestartet, da hieß es geduldig bleiben. Hatte ja schon neulich geäußert, das die Bandbreite hier auf dem Land auch mit Katzen,Kühen und insbesondere tausender Hühner und Schweine geteilt werden muß.

Es tauchten ein paar Links auf. Welche sind seriös? Werbung ignorieren! Habe mich dann für Deutsche Herzstiftung entschieden. Habe alles durchgelesen und nichts kapiert. Ich entschied mich wenigstens, jetzt Feierabend zu machen und fuhr zurück in die Zentrale.

Ich hab mich ins Eck gesetzt und versucht, per Autosuggestion eine Verbesserung meiner Schmerzen zu erreichen. Hat nicht geklappt. Die ersten Kollegen der Tagschicht trafen ein und ich sagte wie es mir geht. Endlich bekam ich Feedback und konnte mich für den Notruf erweichen lassen. $KollegeKuschelbär wählt die 112, ich warte. Meine Gedanken Kreisen. „Wie peinlich ist das alles.| Was ist, wenn die Schmerzen weg sind, bevor der Rettungswagen da ist.|Wie peinlich.|“

Ich verlasse mich darauf, das Hilfe kommt. Ich schaue nicht auf die Uhr, ich denke nichts.

Endlich ändert sich etwas, Jemand fragt nach mir. Ein Mann mit Bauarbeitermontur und orangenem Rucksack setzt sich neben mich hin. Ich bin sicher, das ist ein Rettungssanitäter. Bauarbeiter sind Samstagmorgens um 1/2 6 nicht unterwegs.

Es wird abgeklärt, ob ich freiwillig mit in den Rettungswagen komme oder gezwungen werden muss. Ich gehe ohne Widerworte mit, krabbele in das bunte Gefährt und bekomme erläutert, wie man sich am Besten auf die Bahre Trage legt, um in Kurven oder bei Dips/Bumps nicht rauszufliegen. Ein anderer Sanitäter bringt meinen Rucksack und die Taxiweste mit. „Wiiiiichtig!“, denn Geld und Phone sind da drin.

Der Notarzt erscheint und wir gleichen unseren Informationsstand aus. Er fällt eine Entscheidung. Im Tonfall Captain Kirks nach einer gelungenen Mission, sagte er dem Fahrer des RTW: “ Zum KBR, normale Reisegeschwindigkeit!“

Captain Kirk Der Doktor fragte mich die ganze Fahrt über aus und trug meine Antworten in seinen „Blog“ ein. Zwischendurch hat er mir ein ziemlich ätzendes Spray in den Hals und unter die Zunge verabreicht. Ich habe aber nicht gemeckert,denn nur was schlecht schmeckt, hilft auch.

Ma-aaaaan, wenn ich so durch die Löcher steuern würde, hätte ich richtig Probleme mit den Fahrgästinnenen. Die hopsen gar nicht so gern. Aber egal, ich habe ein anderes Problem. Eigentlich ist gleich Frühstückszeit zu Hause und meine Frau wartet auf die Brötchenlieferung. Natürlich muß ich absagen, aber in diesem verdammten Faradayschen Käfig habe ich keinen einzigen Balken. Sah sicher ziemlich blöd aus, als der Doktor mir den Elektrokrempel überall anbappte und ich fuchtele mit dem Iphone herum, auf der Suche nach Signalen. Ich hab dann erst mal bis Bremerhaven gewartet, da war der Empfang OK und ich konnte mich bei meiner Angetrauten melden.

Als wir in die Katakomben des KBR einliefen, schaute ich schnell noch mal auf mein GPS-Gerät. Perfekt, die Schicht wurde komplett aufgezeichnet.

Im Fernsehen kommen ja immer gleich ein paar hektische Menschen aus der Notaufnahme angelaufen und geben Empfehlungen zu Therapie, Elektroschocks oder Spritzen. Niemand war zu sehen. Senden die Heute nicht?

„Mein Fahrer“ fragte, ob noch etwas frei wäre. Ich durfte dann in die „4“.

Der jungen Ärztin in der „4“ noch mal die Empfindungen erzählt. Sie hängt mir erneut Tentakeln einer NSA-Maschine an und saugt aus meinem Körper an Daten, was nicht genug gesichert ist. Ich werde zum Röntgen gerollt (In meinem Bett natürlich). Dort muss ich mich dann stehend den Todesstrahlen ergeben. Wieder zurück in der „4“ erfahre ich das erstmal nichts Auffälliges entdeckt wurde. „Ich hoffe, das sie das Unauffällige noch finden.“

Mein Sichtbereich erstreckte sich auf der Reise durch das Gebäude zu meiner Schlafstätte nur auf die Betrachtung der unterschiedlichen Oberflächenstrukturen der abgehängten Decken, sowie deren Brand – und Rauchmelder. Ich verlor die Orientierung. Mit geschlossenen Augen schob, zog und schubste man mich durch die Gänge.

Dann das Highlight des Tages, ja, des Jahres. Ich wurde zu dem berühmten und berüchtigten AUFZUG NUMMER 1 buchsiert. Der Aufzug ist der Schocker schlechthin!

Der Aufzug Nummer 1 hat etwas besonderes. Er hat eine Alarmklingel. Sie ist von Außen einzuschalten. Und das nur von autorisiertem Personal, für den Fall, das ein Patient mit Bett die Ebenen wechseln möchte/muss.

Wir hielten also vor dem Aufzug Nummer 1. Mein Schieber zückte einen Bartschlüssel und drehte ihn geschickt nach Rechts in das separate Schloss neben den gewöhnlichen Anforderungsdrückern. Ein sanftes Läuten ward zu vernehmen.

Eigentlich hatte ich das anders in Erinnerung. Nachmittags gegen 15:30 holen wir oft Patienten aus der Tagesklinik Station 5a ab. Und beim Runterfahren möchte immer keiner in den Aufzug 1 einsteigen. Mein abzuholender Patient und ich taten es dennoch. Und es kam auf uns zu, wie es kommen musste. Irgendein Idiot hat den Fahrstuhl angefordert und ein infernalischer Lärm brach über uns herein. Der Aufzug beschleunigte auf ca. 100m pro Sekunde. Aus dem Lautsprecher kam die Aufforderung, den Lift unverzüglich an der nächstmöglichen Station zu verlassen, immer wieder untermauert von einer scheppernden Riesenklingelglocke.

Mein persönlicher Aufzug näherte sich langsam und nun war auch das gewohnte Getöse hörbar, es störte mich jedoch kein Bisschen! Er hielt auf meiner Etage, öffnete seinen Schlund, spieh ein paar fluchende Taxifahrer aus und schwuuupps, war ich oben auf Wolke 7. Nein, nicht Wolke 7, sondern Station 9(c).

Ich bezog Position zwischen einem frisch operierten Türken (3 Stents) und einem gewissen Herrn Lübeck. Während ich mit Levent, dem Türken, Brüderschaft trank beobachteten wir Herrn Lübeck dabei, wie er nach einer vermissten Socke Ausschau hielt. Er tat laut seinen Unmut kund, er würde sie schon so lange entbehren. Seine Füße hätten ihn von Ostpreußen bis nach Schleswig-Holstein getragen. Immer hätte er dabei aber Socken angehabt!

Das Frühstück sollte gleich serviert werden, aber ich winkte ab. Ich hatte zunächst keinen Appetit und keinen Plan wie es weiter geht und dämmerte vorsichtig ein.

Regelmäßig erschreckt wurde ich von Levent, dem Kraken. Er war so heftig verkabelt, wie einst Apollo 11 vor dem Start zu Mond. Seine Pumpe war zwar runderneuert, zickte aber noch etwas herum. Zu erkennen am Bimmeln des EKG (Kammerflimmern oder so), Levents Schweiß auf der Stirn und simultanem Stöhnen.

Auch Meister Lübeck blieb nicht unbemerkt.

To be continued………Zarte Gemüter bitte ich, Teil (3) dieses Epos nicht zu lesen. Bitte, echt, tut euch das nicht an, wenn ihr nicht wirklich gut drauf seid. Das auch auf keinen Fall vor dem Frühstück, Mittag,usw.

¡Manos Arriba!

Kumpel von Sonne, wo macht Nachtschicht, war gerade eben am Himmel erschienen. Ich saß in einem unserer Aufenthaltsräume, als mich ein Auftrag erreichte.

Ich sattelte meinen 9-Sitzer und bog von unserem Parkplatz nach links Richtung Norden ab. Nach 50m erschien am linken Fahrbahnrand eine Person, winkte und lief weiter bis auf meine Spur. Ich musste schon stark bremsen, um eine Kollision zu vermeiden.

Da ich nicht hören konnte, was mir der Gegenüber vermitteln wollte konzentrierte ich mich, anhand der Mimik seines Gesichtes heraus zu bekommen, was sein begehr sei.

Oo, die freie Sicht wurde mir versperrt, denn Zwischen Subjekt und Frontscheibe schob sich eine Pistole. Die nächste Sekunde verbrachte ich damit, zu berechnen, welches Kaliber die Kanone vorzuweisen hatte. Bevor ich mich für KK oder Luftpistole entscheiden konnte , ließ ich den Motor aufheulen und die Kupplung springen!

Meine Gedanken drehten sich nur um die Entscheidung, wer zuerst fällt, er oder ich.

„Mäh ihn nieder!“, schallte es aus sämtlichen Nervenbahnen und ich gab Gas.

Der Typ wankte ob meines 2,5 Tonnen Geschosses, fing er sich sogleich wieder und während ich noch einmal freundlich im Vorbeifahren Grüßte, hieb er Nebenherlaufend ohne Erfolg auf meine Seitenscheibe ein. Ich nahm Deckung, als ob ich mit 100 Klamotten unter tief hängenden Ästen hindurch fahren müsste. Ich hatte ja keinen Helm auf.

Jetzt nur noch an die Bürgerpflicht denken, damit du nicht wie ein Depp da stehst, wenn der Polizist fragt:“ Könne sie den Beschreiben? “

Was ich mir merken konnte:  Männlich, 18-25 Jahre alt, Kaputzenshirt in hellem türkis, weiße Turntreter. Bei der Bewaffnung bin ich mir bis Heute nicht sicher. Ich schaute in kleines, schwarzes Löchlein am Ende eines Rohres mit praktischem Haltegriff. Mein „RAM“ war ansonsten schon wieder formatiert um weitere Maßnahmen einzuleiten.

Ich alarmierte die Zentrale und Kollegen über Funk, bog nach 200m ab und versteckte mich hinter einem Sichtschutz.

„Jetzt ist er bei mir!“, hören ich meinen Kollegen N.Guter aus dem Lautsprecher.

„Wo?“, schrie ich ihm zu zurück.

“ Bahnhofstraße hinter der Kirche!“

Die zweite Portion Adrenalin ließ meine Schläfen anschwellen, mein ganzer Körper war auf Angriff programmiert, der Jagdinstinkt geweckt.

“ Muuussss N. helfen…..Muuussss N. helfen“ dröhnte es in meinem Schädel und ich fuhr dorthin, wo mein Kollege in Bedrängnis war.

Toller Wagen, dieser Trafic, nimmt jede Lenkbewegung sofort an und bringt sie auf die Straße. Ich sehe vor mir das Taxi und  den Freak. Ich blende auf, Hupe, werfe mich ins Geschehen. Der Räuber läuft endlich davon, springt über die Kirchenmauer und ist weg.

Kurzes aufatmen, wie geht es N.? Alles war Gut, keiner hat etwas abbekommen.

Mein Iphone meldet sich. Es ist die Polizeistation Schiffdorf. Die nötigsten Schilderungen werden abgefragt, bestätigt, das schon mehrere Wagen unterwegs zum Tatort wären.

Nach kurzer Zeit fand uns der erste Streifenwagen und wir bezeugten noch einmal das erlebte.

Ein Polizeitransporter traf ein. Die Türen öffneten sich. Ich erkannte einen Deutschen Schäferhund und fühlte mich jetzt erst mal wieder in Sicherheit und umsorgt. Ein warmes Gefühl machte sich in meinem Körper breit. Wir wurden ernst genommen, uns wurde geholfen.

Die Hundestreife machte sich sofort auf, die Fährte aufzuspüren und zu verfolgen und verschwand im Dunkeln zwischen den Gräbern des Friedhofes.

Wir besprachen noch mit den Polizisten, wie wir uns jetzt weiter verhalten sollen und verabschiedeten uns erst einmal.

Zurück in unserem Ruheraum gab es jetzt einen schönen heissen Kaffee. Es wurde eine kurze Manöverkritik abgehalten, bevor wir uns wieder auf die Straßen unseres beschaulichen Pflicht-Fahrgebietes begaben.

P.S.: Es dauerte ein paar Monate, bis ich endlich wieder ohne Angst in diesem Ort sein konnte. Bei den ersten Winkern am Straßenrand hatte ich immer wieder ein mulmiges Gefühl. Zum Glück hat die Zeit nun die seelischen Wunden geheilt. Den Täter hat man leider nicht gefasst, Verdächtige wurden zwar verhört, aber ohne Ergebnis. Das Verfahren wurde eingestellt.