Lichtermeer

3 Tage nacheinander fuhr ich einen Umweg, weil in einer schmalen Gasse des Ortes Hagen im Bremischen Blaulicht flackerte und ich die Rettungskräfte nicht stören mochte.

Gestern nun auch Blaulicht auf meiner Ausweichstrecke, es blieb mir nichts Anderes übrig, als mich da hindurch zu schlängeln.

Und was musste ich dort beobachten?

„Liebe Einwohner des Landkreis Cuxhaven, schaltet bitte das hektische Zappeln eurer Weihnachtsbeleuchtung aus!“

#bleibtgesund

Gute-Laune-Profi?

Also ….., ich lernte bei Zeiten , ohne zu deuten oder zu hinterfragen, zurück zu winken, wenn einem ein Clown zuwinkt!

Genau das hatte ich im Vorbeifahren auf der Suche nach einem verschollenen Kunden getan.

Da ich meinen avisierten Fahrgast nicht an der gemeldeten Haltestelle antraf, dachte ich mir, so ein Clown ist besser als gar kein Kunde! Also fuhr ich flott durch den nächsten Kreisel zurück zum Rotschopf.

Gleich machte mir die Clownin – bei näherem hinsehen konnte man erkennen das sich unter der roten Plastiknase das weibliche Pendant eines Clowns verbarg – einen Vorwurf.

„Erst kommen sie zu spät und dann veralbern Sie mich auch noch! Unverschämtheit!“

Als die Type mit der Pluderhose wieder Luft bekam, erfuhr ich, das sie mich bestellt hätte und nun endlich fahren wolle, weil sie keine Lust mehr habe in der Kälte zu stehen!

Wortlos räumten wir ihre Utensilien in den Kofferraum und immer noch leicht grummelig krabbelte sie ungeschickt mit ihren viel zu großen Kleidern auf die Rückbank.

Wäre ich nicht so professionell, mein höhnisches Lachen hätte den Busparkplatz erzittern lassen, als sie sich mit ihren großen Latschen zwischen Tür und Holm verkeilte, strampelnd wie ein Fisch am Haken. Geschwind half ich ihr aus der misslichen Lage und stieg in den Wagen.

Routiniert legte ich Kurs an Richtung Bahnhof und startete einen Gegenangriff:

„Sind sie eine traurige Clownin?“

„Wieso? Wie kommen sie darauf?“

„Na…,sie versprühen gerade nicht so viel Humor! Aber Nichts für ungut, ich hatte sie eher an einer anderen Haltestelle erwartet. Diese hier ist nämlich verlegt worden; und das ausgerechnet sie, hier mitten im Ort mein Fahrgast seien, das war nicht zu ahnen!

Nach ein paar klärenden Worten gewann sie letztendlich ihr Lachen zurück und wir redeten über ihren heutigen Arbeitstag und das Leben als Spaßmacher.

Ein wenig traurig sah es dann doch aus, als ich am Bahnsteig noch einmal zurück blickte. Da stand Jemand mit völlig unpassender Kleidung, knallroten Haaren und einem viel zu kleinen Hut vier Tage nach Ende des Karnevals im strömenden Regen und wartete auf den Zug nach Hause.

Es gibt sie noch…

…, die Kollegen, welche sich um Einen sorgen und sich kümmern, in der Not an deiner Seite stehen, helfen!

Meine Kollegin Melonia hat sich richtig Mühe gegeben und mir ein Erste-Hilfe-Set gebastelt, um den Schwall an Fehlalarmen, ausgelöst durch unkoordinierte Bewegungen verschiedenster Extremitäten meines Astral-Körpers zu unterminieren!

Danke für dieses Set nebst unmissverständlicher Bauanleitung.
Für diese Nacht kann ich schon mal 100% Erfolg melden!

Das einzige Blaulicht in dieser Nacht stammte von der Stubbener Feuerwehr, welche die Ölspur eines Milchlasters zwischen Bramstedt und Deelbrügge mit Bindemittel bestreute.

Schon wieder:“Die Gemütsschwankungen!“

Immer, wenn ich die Zentrale – vom Auto aus, ab ca. 22:00, an Wochentagen – übernehme, gibt es diese oder so ähnliche Vorgänge:

Völlig betrunkener Kunde/In, offensichtlich ein familiäres Problem habend, wünscht meine Dienste.

Anruf 1:

*flenn,heueeel,schnief* „Ich muß ganz schnell wo hin, kannste schnell kommen, er liegt im Sterben, ich habe auch Geld für die Fahrt!“

*mit tiefer, beruhigender und mitfühlender Stimme* „Machen sie sich fertig, ich bin sofort da!“

Klar, das ich mir statt loszufahren, erst einmal die ganze Lebensgeschichte, welche zu diesem Fahrauftrag führe, anhören mußte.

Kurz bevor ich mein Ziel erreichte:

Anruf 2:

*flenn, rotz, schnief, heueeeeeeeel* „Kannste 1 Stunde später kommen?! Es kommt noch einer mit, auf den muß ich warten! Mir ist egal was das kostet, auch wenn es hundert Euro sind, mir alles egal. Du mußt ja auch leben!“

Sehr löblich, das mit dem Geld! Aus Erfahrung gehen solche Ansagen immer total in die Hose, deshalb beschwichtigte ich, tröstete und sagte, das ich nur den normalen Tarif berechnen würde, ich wolle doch diese Notsituation nicht ausnutzen.

Nach einer Viertelstunde:

Anruf 3:

*schnief, schnief, schnief* „Du, ich bin’s?! Ich wollte dir nur sagen, das ich besoffen bin und du sollst mir das bitte nicht ankreiden, ich bin völlig daneben, aber bitte nimm mir das nicht übel!“ *schnief*

*säusel,lüg* „Aber nein, das ist mir alles völlig egal. Du hast genügend Sorgen und da ist das völlig normal, das man zur Beruhigung Einen trinkt!“

*schief, schnauzt* „Danke, das ist lieb. Erinnere mich, das ich dir auf jeden Fall € 50,00 extra gebe, weil du so nett bist. Entschuldige noch Mal!“

So einen Schein hätte der Taxifahrer gern. Jedoch meldete sich sofort mein Gewissen und wiederholte, das das auf keinen Fall akzeptabel sei!

Nach einer weiteren Viertelstunde.

Anruf 4:

*räusper,hust* „Du brauchst nicht mehr kommen. Stirbt nicht! Aber wenn es OK ist, kannst du mir eine Rechnung schreiben, über die Fahrtkosten und so weiter, du weist schon! Ich mache das wieder gut. Ganz sicher. Versprochen. Du bist so lieb, HerrTaxifahrer, danke, danke,danke!“

*leise in mich rein stöhn* „Ist schon gut, lassen wir es dabei. Du hast schon einen schrecklichen Abend gehabt. Ich möchte nichts dafür!“

Was ein erhebendes Gefühl, eine so ritterliche, uneigennützige Tat von mir! „Der Gott, das Karma, oder so etwas ähnliches wird es mir vergelten!“, dachte ich mir, nach oben zum sternenklaren Himmel blickend. Fast hätte ich vor Glück geweint.

Nein doch nicht!

Es ist 0:37, ich stehe am Bahnhof und warte auf einen Kunden. Er war schon ausgestiegen und kam auf mich zu.

Anruf 5:

*nuschel* „Jetzt ein Taxi in die andere Richtung. Mein Kumpel muß wieder nach Hause!“

*stöhn* „Kann leider nicht gleich, muß erst no……“

*motz, moser,schimpf* „Sag mal, wie redest du mit mir!? Ich brauch jetzt ein Taxi, egal wie du das hinkriegst!“

*erklärbärstimme* „Ich muß erst meinen Fahrgast hier nach Hause bringen, dann komme ich zu dir, OK!?“

*maul* „Willst mich veräppeln, warum laberst du mich jetzt voll? Erst hast du den ganzen Abend Zeit und jetzt auf einmal nicht mehr!? Nee, ich verzichte und ruf woanders an. Und deine € 200 von vorhin kannste dir jetzt erst recht abschminken. Ich hab das Geld hier, aber das haste verspielt!“ *klick*

„Uff!“

Leider nicht das erste Mal, das ein lohnendes Geschäft wie eine Seifenblase platzt. Schön finde ich immer wieder diese Steigerung ins Gegenteil. Einziger Unterschied zu sonst waren die fehlenden Schimpfwörter. Na gut, wenigstens hatte ich mir von Beginn an keine Hoffnungen gemacht.

Und das Karma für meinen guten Willen, das kann Er/Sie mir nicht nehmen!

 

Schönes Wochenende!

 

 

 

Ich glaube es nicht…!?

Gestern trat ich meinen Dienst wie gewöhnlich um 16:00 an. Den Abend sollte ich zusammen mit dem Caddy verbringen, meinem Lieblingstaxiauto. Die Kollegin von der Zentrale schleimte ein wenig herum, als ich mich Startbereit meldete, um mir dann eine Fahrt für Nachts um 03:00 um den Hals zu Hängen. Normal stellen wir die Autos unter der Woche um 01:00 in die Garage, außer ein Kunde bestellt schlauerweise vor, wie in diesem Fall. Um 00:24 nahm ich meinen letzten regulären Fahrgast in Bremerhaven auf, nach Stotel, ein Stammkunde.

traumbaby

Gegen 01:00 stellte ich den Wecker für 02:30, zur Sicherheit, falls ich auf der gemütlichen Couch in unserem neuen Aufenthaltsraum das Zeitliche segnen sollte. Ich schaute meine favorisierte Nachtfernsehserie – Medical Detectives – und nickte ein,  die aufgeführte Folge war mir geläufig gewesen und förderte mein Desinteresse am Wachbleiben.

*bummbummbummbumm*

Jemand schlug gegen die Fensterscheibe. Ich fuhr hoch, mußte mich erst einmal umschauen, wo ich mich überhaupt befand. Ich blinzelte nach draussen und hörte eine schwache, krächzende Stimme. Ein alter Mann stand da und schaute mich flehend an.

wackupbaby

Ich nahm meine Sachen und ging nach draussen, um die Lage zu checken. Der Senior war  ganz normal gekleidet, auch passend zur Saison in Sommerhose und -Jacke, Sandalen und Hut, gegen die Sonne. Allerdings war es erst 02:15!

„Fahren sie mich bitte ins Seniorenheim XYZ, ich habe mich vertan, man hat mich nicht abgeholt und komme nun zu spät!“

Ich hatte da schon so meine Erfahrungen gemacht, hier in Loxstedt, mit ausgebüchsten Bewohnern aus so einem Heim, deshalb gab ich brav zu Protokoll, das ich jegliche seiner Wünsche unwidersprochen und zu seiner vollsten Zufrieden- und Sicherheit auszuführen gedachte!

Er tappste auf den Caddy zu, höflich öffnete ich ihm die Beifahrer, während er auf einmal halb hinter dem Lenkrad klemmte. Mit etwas Geduld konnte ich ihm den Unterschied zwischen der linken und rechten Fahrzeugseite, in Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als Fahrer, wieder ins Gedächtnis rufen und über sich selbst lachend schlurfte er zur Beifahrertür, ignorierte sie aber geflissentlich, zog und rüttelte an der schwergängigen Schiebetür. Mit etwas Hilfe hatte er dann den Weg ins Taxi geschafft.

Stolz wie Oscar, ein weiteres Mal einen zahlenden Kunden zurück zu bringen, drückte ich die Klingel am Seniorenheim. Es erschienen auch gleich zwei Damen aus der Nachtschicht, denen ich meinen meinen Fang präsentierte und sie schauten sich nur fragend an.

„Der Herr ist uns leider nicht bekannt!“

Mein Fahrgast aber bestand darauf, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort zu sein und wollte sich auf den Weg in den Frühstückssaal machen. Seine Ortskenntnis bewegte dann eine Pflegerin, einmal in die Liste der Tagesgäste zu schauen, mit Erfolg. Er war 6 Stunden zu Früh aufgetaucht!

Wir überzeugten den leicht verwirrten Mann, das es förderlich sei, jetzt lieber noch eine Mütze schlaf zu nehmen, bevor er sich am Morgen wieder ans Tagwerk machte. Seine Wohnung lag in der Nähe unserer Zentrale, was dann auch Sinn ergab, weswegen er bei mit geklopft hatte.

Sein Wohnungseingang lag links am Haus, ich ging mit der Handyleuchte voraus, seine Schritte waren ungelenk. An der Tür angekommen, erschrak ich schon wieder. Sie war einen guten Spalt geöffnet und der Hausschlüssel steckte noch im Schloß. Er schien es wirklich eilig gehabt zu haben! Er nahm den Schlüssel eher nicht ganz so ernst wie ich:“Ist praktischer, so brauch ich nicht aufschliessen!“ Für diese Nacht war er erst einmal wieder in Sicherheit. Auf jeden Fall werde ich die Zentrale über meine Fahrt informieren, vielleicht sind Angehörige bekannt, die sich kümmern können.

„Gute Nacht und Alles Gute, Herr A. L. Termann“!

Es schaudert mir!

In dieser Zeit finden viele Diskussionen rund um Flüchtlinge statt und es brennt mir, wie vielen von Euch sicher auch in den Fingern, weil wir soviel gegen die sogenannten *Besorgten Bürger* „anschreiben“ müssen. Mein Herz brennt lichterloh und will, das Harmonie einkehrt, wir die Krise meistern und nach getaner Arbeit gemeinsam feiern können!
Das bleibt aber nur ein einsamer Wunsch von mir. Alle können oder wollen nicht mit anpacken und den Flüchtlingen/Menschen in Not helfen. 

Was mich in den letzten Tagen besonders traurig macht,ist das zu den vielen Verteilern und Verfassern fremdenfeindlicher Botschaften  Menschen gehören, denen ich bisher vertraute, mit denen ich ruhigen Gewissens einer Meinung sein konnte!
Leider stellt sich jetzt, im Ernstfall heraus, welch Geistes Kind so mancher Digitale „Freund“ ist.
Für meinen Teil habe ich nur eine Möglichkeit. Ich beende den Kontakt, blockiere und lösche Verlinkungen zu jedem, der mir mit seinem Geschreibsel oder Nachplabbern von Hassparolen gegen den Strich geht.

Zum Glück habe ich gerade deshalb viele neue Menschen kennengelernt, die mit mir einer Meinung sind!

Danke an alle menschlichen Menschen da Draußen im wirklichen Leben!

Die Artistin (2)

„Uff, das war gerade noch einmal gut gegangen!“

Jetzt blieb mir nur noch, dem Chef den Brandfleck zu erklären, aber da ich ja nicht mehr rauchte war die Sache geritzt. Es waren keine Ausflüchte nötig, der „Täter“ dingfest! Es war allerdings kein so großer Schaden, als das es sich lohnte, Behebung zu verlangen.

Neben mir ächzte und grunzte meine Fahrgästin, nuschelte etwas vor sich hin, das wie „N’ause jetz!“ klang.

„Verzeihung, bitte schnallen sie sich an, sie kennen das ja mit der STVO, Polizei, Bußgeld usw.!“

Geht nich…..?

Ich stieg wieder aus, öffnete die Beifahrertür und zog ihr den Gurt Richtung Schloß. Bevor ich vorn über stürzte und in ihrem ätzenden Ausschnitt verenden würde, gab ich ihr das Ende zum Festhalten und rastete den Gurt vom Fahrersitz aus ein.

„Sie tragen mir aber gleich noch die Tüten hoch!“

„NEIN!“

Wie aus der Pistole geschossen lehnte ich den Auftrag laut und klar ab. Normal erledige ich alles, was mir angetragen wird, aber irgendwann ist der Ofen aus! Sie begann zu jammern:

Alles ist sooo anstrengend. Immer dieser Stress! Nie ist etwas einfach, ich würde gern einmal meine Ruhe haben!

Dachte ich mir auch gerade. Ich hakte nach, sie würde doch nicht arbeiten gehen, da hätte sie doch den ganzen Tag Zeit alles gemütlich zu erledigen.

Nein, ich habe nie Zeit! Und jetzt muss mein Lebensgefährte die Sachen hoch tragen…..!?

„Au weiah, die sind zu zweit!“, hoffentlich ist das nicht ansteckend.

Unter Tränen – ach nein, es war Schweiß – zückte sie ihre Börse, gab mir die geforderten 5 € und ein paar Zerquetschte.

Ich stieg schnell aus, riss den Kofferraum auf und stellte fix ihre Sachen vors Haus, grüsste und machte mich auf den Weg zum nächsten Auftrag.

Die Moral:

Bleibt auf der Strecke. Eigentlich bin ich immer behilflich, auch wenn es etwas Zeit kostet. Ich erwarte von Hilfebedürftigen auch keinen Vorschuss, im Gegenteil, ich gehe gern in Vorleistung, wie ihr hier gelesen hattet. Ich achte aber darauf, das ich meine hauptsächliche Arbeit – das Fahren – nicht vernachlässige.

Liebe Fahrgäste, wenn ihr Extrawünsche habt, dann benehmt euch nicht wie die Axt im Wald. Guten Service gibt es nur gegen normales Benehmen, Super-Service gern gegen Freundlichkeit oder Bares 🙂 !