An die Luft gesetzt!

Mein Auftrag, einen Fahrgast in Stubben am Bahnhof abzuholen, gestaltete sich nicht so, wie geplant. Mitfahrer in seinem Zug hatten die Notbremse betätigt und so die Abfahrt verzögert.

Also schob ich eine Fahrt dazwischen und versprach meinem Fahrgast, ihn in Lunestedt abzuholen, dort wo der Zug gerade herumstand.

Dort angekommen kam er zögernd auf mich zu, mir schwante Unheil, wie genau, konnte ich noch nicht fühlen.

„Hey, HerrTaxifahrer, können die Beiden mitfahren!?“, rief er mir zu, dann schritt er zügig ans Beifahrerfenster und eröffnete mir flüsternd, das die beiden Herren in seinem Schlepptau etwas sehr besoffen seien, ziemlich verpeilt und das der, der gerade an den Fahrradständer hustete, derjenige sei, welcher die Notbremse zog.

„Suuuuper!“, dachte ich mir. so oder so gäbe das eine Story für den Blog und da schon lange keine dollen Typen mehr im Taxi saßen, trat ich mit den Beiden in die Preisverhandlungen für den Transport in ihr Dorf in etwa 60 Kilometern Entfernung ein.

„20!“
„120!“
„40!“
„120!“
„50!“
„Der nächste Zug geht in 4 Stunden, es herrscht Frost. Und schlußendlich muß ich leer zurück fahren. 120!“

Sie hatten keinen Bock mehr auf meine Aufrufe und nahmen erst mal Platz im Fond. Der „Bremser“ Rechts, sein etwas moderaterer Kumpel hinter mir.

„Also sind wir uns einig über 120!? Dann halte ich gleich vorn bei der Kasse. Es gäbe doch nichts peinlicheres, als wenn ihr pleite wärd!“
Von Hinten grummelte es irgendwie „Ausbeuter, Volksbank und Ja,Ja“.

„Was kostet eigentlich die Notbremse?“, warf ich etwas vorwitzig ein, bekam aber nur beschieden, das die Security der Regionalbahn wohl ein Einsehen gehabt hätte und keine Personalien aufgenommen worden waren. Da hatte der „Bremser“, so denke ich, richtig Massel gehabt, das er sie genau beim Halt im Bahnhof aktiviert hatte und der Zug wohl keine teuren Bremsungen einleiten mußte und natürlich Niemand verletzt worden war. Nur eine etwas längere Standzeit kam dabei heraus. Ich finde, da hat die Zugmannschaft richtig gehandelt! (Oder, HerrS-Bahnfahrer?)

Der Bremser holte Geld und händigte es mir ohne weitere Bettelei aus. Nun hies es nur noch meinen ursprünglichen Fahrgast (der übrigens sehr cool ist, aber immer erst „Rein“ muß, um Fahrgeld von Mutti zu holen) zu Hause in Beverstedt abzuliefern.

Gesagt, gefahren!

Von Beverstedt aus führte uns das Navi auf der kürzesten Strecke durch das Teufelsmoor bis in den Osten Bremens. Der „Bremser“ hatte offensichtlich ein Problem und sein Kumpel war am Arsch, weil er ihn immer aus der Scheiße holen mußte. Die Notbremse war wegen eines Streits mit irgendwelchen Frauen gezogen worden.

Tenor vom „Bremser“: „Hätte ich die Notbremse nicht gezogen, hätte ich die Alte kalt gemacht!“

Na gut, das kann man gelten lassen! Die Fahrt übers Land dauerte gut 70 Minuten. Nebel, enge und unbekannte Wege ließen uns nur langsam vorankommen. Der „Bremser“ versuchte sich unermüdlich als Opfer seiner selbst darzustellen. Dabei war es einer, der den Streit sucht. Immer gespannt, wie eine Mausefalle (so eine mit Bügel und Feder, keine wo die Mäuse nur so rein laufen und nicht zurück können). Und wenn es dann wieder einmal gekracht hatte, fand er einen passablen Grund, warum gerade er zuschlagen mußte, denn schließlich sei er von Haus aus lammfromm.

Während seiner Ausführungen tapste er mir ständig, mit variierendem Druck von Hinten auf meine rechte Schulter.
*taps taps taps taps taps taps taps*
Bei mir dachte ich, ihn lieber gewähren zu lassen, den ich wollte die Lunte nicht anzünden, die an ihm hing. Endlich, nach halber Strecke etwa, war es sein Kumpel, der ihm Auftrug doch nicht immer den Taxifahrer zu schlagen. Mittlerweile war es mir egal geworden, denn ich hatte gar kein Gefühl mehr. Vom Hals abwärts bis zum Ellenbogen spürte ich nichts außer Taubheit. Vielleicht auch ein wenig Schwellung. Doch ich wollte nicht 20 Kilometer vorm Ziel einen Ausbruch seiner Wut zu riskieren.

Die Themen wurden nun immer persönlicher. Wo sein Kumpel und ich zu Beginn der Tour noch das eine oder Andere verständnisvolle raunen hören liessen, er liess extra Pausen, damit wir ihm unsere Bestätigung geben konnten, dort fand jetzt nur noch ein Monolog statt, über seine vielen Frauen, die er rausgeschmissen hätte, die vielen Nebenbuhler, die ihn um Schläge gebeten hätten.

Und immer wieder *taps taps taps*.

Ich rutschte soweit es ging nach links zur Tür und in den Sitz. Das half nur für Momente, denn er beugte sich vor und buhlte um meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Hatte er etwa Angst, das ich einschlafe und ihm nicht mehr folgte? *taps taps taps* Was dachte er, wie würden wir von Fleck kommen? Natürlich blieb ich wach. Ich mußte doch jeden Moment bereit sein, wegzulaufen. Denn ich bin kein guter Schläger, aber laufen ginge noch!

Dann passierte alles ganz schnell.Wir waren am Ziel und verabschiedeten uns. Sie dankten mir für die ruhige und sichere Fahrweise, sowie für den fairen Preis. Ich hätte doch genau das erhalten, was es Wert sei und solle mich niemals im Preis drücken lassen. Ein letztes Mal tapste er meine Schulter oder das, was davon übrig geblieben war.

„Ein Mann sieht Rot!“ oder „Karma is a bitch!“

Prolog:

Das Oktoberfest in Stinstedt neigte sich dem Ende zu und es herrschte Überschuss an Fahrgästen.

Ich wartete bei Branitzki auf Fahrgäste, 2 Personen ins Nachbardorf. Es waren gut 10 Minuten verstrichen, da entschied ich, die Bestellung zu ignorieren -„Wer nicht will, der hat schon!-, um mir einen der Fahrgäste aus dem großen Topf vor dem Ausgang zu ziehen:

  1. Akt

„Jemand ein Taxi?“

„Fährste mich nach $dorfweitweg?“

„Klar, steig ein!“

Wie das so ist. Da hatte ich ein schönes Schnäppchen gemacht! Es geht ja nicht immer nur ums Geld, welches es sicher lukrativer macht, sondern auch um Abwechslung. Und nur eben ins Nachbardorf wirkt mit der Zeit zermürbend auf die Moral. Immer die gleiche Strecke, immer die gleichen Sprüche der Fahrgäste -„Vorsicht, da sind jetzt immer Rehe!“ , „Machs nicht so teuer, ich bin $irgendeinunterbezahlterberufszweig!“ usw.

Also Gang rein und mit meinem „Jackpot “ losgefahren.

„Is im $disco eigentlich was los?“

„Hmmmm, ich war da in dieser Nacht noch nicht. Ich könnte eben einen Kollegen fragen!“

Irgendwie schlug plötzlich die Stimmung im Taxi um. Vorher bierselig säuselnd, nun wach und angriffslustig lospolternd, meinte mein Fahrgast:

„Normalerweise fahre ich ja nicht mit euch! Ihr seid zu teuer!“

An dieser Stelle wird es dann immer sehr, sehr langweilig, weil ich den Paragraphen aus unserer Taxiordnung, der die Fahrpreisgestaltung / den Tarif regelt, um darzustellen, das an sich alle Taxen gleichviel kosten. Auch wenn es noch nie, wirklich nie gefruchtet hat, ich kann das nicht lassen!

„Die anderen sind billiger! Ihr seid Teuer!“

Hoffnungslos weise ich auf die Tarifpflicht bei Fahrten innerhalb unseres Pflicht-Fahrgebietes hin, auch wenn mir die Erfahrung lehrte, dafür nur Hohn und Spott zu ernten.

„Ihr seid Teuer!“

2. Akt

Aus der Ferne kündigt sich das Herannahen eines Zuges durch einschalten der roten Ampeln am Bahnübergang an. Mein Beifahrer lehnt sich entspannt zurück, ich stoppe souverän an der markierten Haltelinie, schalte den Motor aus und beginne schon einmal die Strecke in meinem Fahrtbericht zu notieren.

„Läuft das Taxameter noch? Hey…., das Taxameter läuft noch! Was habe ich mit der Bahn zu schaffen? Schalte das Taxameter jetzt aus!

Ich befürchte, mein Fahrgast wird es nicht wollen, dennoch zitiere ich wieder die Taxiordnung und versuche mit Metaphern ein Sinn machendes Bild für meinen Fahrgast entstehen zu lassen, warum Wartezeit auch Arbeitszeit sei.

Don Quichote ist ein Weisenknabe gegen mich! Ich werde die Kunden aufklären,ehrlich informieren und somit ein Umfeld der vollsten Zufriedenheit in meinem Taxi schaffen!“, dachte ich während mein Sozius sämtliche Knöpfe an meinem Taxameter betätigte, die er erreichen konnte.

„Ich zahl‘ das nicht, ich zahl das nicht!“

Er kam letztendlich auch bei der Taste für den Mehrpersonen-Zuschlag an, der Fahrpreis schnellte um 5 € in die Höhe. Jetzt brachen sämtliche Dämme und er zeigte mir, das er alle wesentlichen Talente für ein „Rumpelstilzchen“ mitbrachte. Noch während er brüllend Tiraden über mich ergoss, wählte er die Nummer seines Lieblingstaxifahrers, bat zu zahlen und warf die Tür mit einem lauten Knall hinter sich zu. Im Spiegel konnte ich noch sehen, wie er einige „Lufttritte“ gegen meinen Wagen machte. Tatsächlich drehte er sich dann auch einige Male im Kreis.

Meinen Augen nicht trauend setzte ich den Fahrpreis in das Feld auf meinem Bericht und sah zu, das ich Land gewann.

Schluß

Aus dem Funk hörte ich soeben, das ein Kollege meine ursprünglich verspäteten Fahrgäste -zwei hübsche junge Damen- aufgegabelt hatte. Das nächste Mal würde ich dann doch lieber eine Minute länger warten, bevor ich mir nochmal so einen “ King Louie“ an Land zöge!

 

P.S. Der Tarif ist ein Tarif, ist ein Tarif! Nicht umsonst zum gerade zum Schutze der Fahrgäste vor Übervorteilung geschaffen. Aber auch dafür, dem Taxifahrervolk ein lebenswertes Auskommen zu ermöglichen, um Dumpingpreise zu vermeiden!

Nieder mit der Selbstausbeutung! (Gilt auch für andere Berufszweige)

Zu Teuer!

„Das macht € 18,10!“

„So teuer ist das Heute?“

„Nicht nur Heute, an sich ist der Tarif seit 2015 unverändert geblieben!“

„Nein, ich meine das eher so, das das allgemein sehr teuer ist!“

Da mein Gehalt eher auch so dimensioniert ist, das ich mir eine Fahrt mit dem Taxi nur im Notfall gönne, weise ich immer gern auf günstigere Alternativen hin. Da Busse bei uns nur sehr selten fahren, bietet sich in unserem Fahrgebiet die Nutzung des Anruf-Sammeltaxis an. Der Service ist fast identisch, der Fahrpreis jedoch viel günstiger. Und da wir die Fahrzeuge für diese Ergänzung zum ÖPNV stellen, bleibt das Geld auch bei meinem Chef! Win-Win!

„Da habe ich einen guten Tip für sie! Vor ihrer Haustür befindet sich eine Haltestelle für das Sammeltaxi. Sie müssen nur eine Stunde vorher bei Bremerhavenbus anrufen, die Linie und Uhrzeit angeben. Der Fahrpreis beträgt dann  nur 2 bis € 3!“

„Nein, das ist mir zu kompliziert! Eine Stunde, nein, das ist viel zu umständlich!“

„Na, dann zahl halt, du Blödmann!“, schießt es mir durch den Kopf und mein Blutdruck meldet sich an den Schläfen!

Ein weiterer solcher Fall war die Mutter mit ihrer Tochter, welche für hin und Rücktour fast 45 Öcken hinblättern mußten. Die Tochter wollte so gern ein neues Shirt, welches aber wegen des Taxipreises nicht ins Budget passte und somit nicht genehmigt wurde.

Auf meinen Vorschlag, für sich und ihre Mutter doch das nächste mal ein Sammeltaxi zu bestellen und somit ca. € 35 für ihre Klamottenkasse zu haben, trat statt einem Dankeschön auch nur für Faulheit zu Tage. Dazu hätte sie keine Lust, Mutter solle ihr einfach das Geld geben!

Die Moral von der Geschichte:

„Wer so träge ist, der soll bluten!“

 

 

„Schnaps“, das wäre sein letztes Wort!

Auftrag: Ortsfahrt

Am Seniorenheim erwartete mich mein Kunde. Er saß im Rollstuhl, das hatte er bei der Bestellung nicht erwähnt. Da ich wie gewöhnlich meinen Caddy fuhr, stellte das kein Problem dar, denn er ist dafür speziell ausgerüstet. Dennoch erkundigte ich mich bei meinem Fahrgast, ob er umgesetzt werden könne oder im Rolli transportiert werden wolle. Ich klappte die Rampe herunter und die Kopf-und Rückenstütze aus, er sei „schlecht zu Fuß!“.

Bevor ich ihn einlud, eröffnete er mir, das er gern zur Tanke möchte, ich solle ihm eine Bildzeitung und eine 0,2 Liter Flasche Korn dort heraus holen…………..

………… und dann wieder zurück hierher!

„Uff????“, ein Heimbewohner.

Ursprünglich hatte ich angenommen, ein Besucher wolle nach Hause gebracht werden. Nun lag die Sache anders. Menschen im Seniorenheim unterliegen Hausordnungen und haben oft gesundheitliche Probleme.

Alkohol hätte ich jetzt ja bedenkenlos eingekauft für ihn, aber eine „BILD“!?

Ich schlug vor, für ihn günstiger, eine Besorgungsfahrt daraus zu machen. Ich führe zur Tankstelle, würde erst dort die Uhr einschalten -wie bei solchen Dingen üblich- und nur die Zeit für den Einkauf und die einfache Fahrtstrecke berechnen.

Wir einigten uns darauf, das er vor dem Gebäude warten solle.

Ich meldete der frischgebackenen Bachelorette in der Zentrale, das sich mein Auftrag etwas anders gestalte. Daraufhin erfuhr ich, das der Senior am frühen Nachmittag schon eine solche Aktion gestartet hatte.

Die Kollegin der Frühschicht hat dann im Telefonat mit dem Heim erfahren -sie war etwas fürsorglicher als ich-, das „Bacchus“ die Leber meines Kunden schon erheblich geschädigt hätte und der Auftrag somit als gecancelt anzusehen sei.

So stornierten wir auch diese Tour und kontaktierten das Heim erneut.

Ich werde zukünftig besser das Pflegepersonal einbeziehen. Leider können/dürfen manche Menschen nichts mehr selbst entscheiden.

Das sei ja völlig bescheuert…

… für so wenig Geld, Auch noch Nachts. Er sei kein Unmensch, er würde gern den vollen Preis bezahlen. Das Sammeltaxi lohne sich doch gar nicht für die Fahrer. Für 4 € 15 Kilometer fahren, da könne doch Niemand von existieren!

Er war wirklich überzeugt, er müsse mir etwas Gutes tun. Sehr löblich, aber das Anruf-Sammeltaxi würde von der öffentlichen Hand gefördert, die Rechnung ginge auf, erklärte ich ihm das System aus Subventionen.

Nein, er wolle Niemanden ausbeuten, beharrte er und zahlte statt des geforderten Preises von 4 € den Am Taxameter angezeigten von € 29,70. Ich erklärte ihm, das sich Bund, Länder und Gemeinden die Differenz zum Ticketpreis teilen würden, mein Chef würde Rechnungen schreiben dafür!

Unbeirrt drückte er mir zusätzlich auch noch einen 5er Trinkgeld in die Hand, weil ich so Bescheiden sei.

Ich bedankte mich und wünschte bis zur nächsten Begegnung alles Gute.

Daraus würde nichts! Er rufe sich demnächst nur noch normale Taxis!

Er wird sich wundern, wenn ich dann wieder dort stehe, mit dem selben Fahrzeug, nur „teurer“!

Dedesdorfer Markt 2017

Du bist ein wahrer Taxifahrer, wenn du die Warteschlange seit einer Stunde anführst und ruhig dabei zuschaust, wie ein Fahrgast nach dem Anderen in den Wagen hinter dir einsteigt, weil er glaubt, er müsse auch als Einzelperson den Grossraumzuschlag entrichten.

Liebe Fahrgäste!,

Der "Grossraumzuschlag" wird im Landkreis Cuxhaven erst fällig, wenn tatsächlich wenigstens 5 Personen zusteigen!
Ansonsten gilt der ganz gewöhnliche Tarif!

Bis nächstes Jahr…., und nicht wieder den roten Taxibus ignorieren…, bitte!

Umweg gefahren, ich Schlingel, ich!?

Er stand gegenüber des neuen Schuhladens in der Bahnhofstraße in Loxstedt.

Jemand hatte ihm das Taxi gerufen, er sprach kein Deutsch und so fanden wir uns. Während er zusteigt hat er das Handy am Ohr, hält es dann in meine Richtung:

„Do you speak english?“

„Yes, honey, I do!“

„She tell you adress!“

Ich nahm das Handy und erkundigte mich nach unserem Ziel. Es war einen Ort weiter, an dieser Straße gelegen. Also piepeinfach. Ich drehte den Wagen nach Westen schaltete die Uhr an und ab ging es. Er sprach wieder mit seiner Bekannten:

„How much shall I give him?“

Als würde die Wissen, was da heraus kommt…, ich konnte nur schätzen:

„Probably € 9,00!“, mischte ich mich ungefragt ein.

Er nickte mürrisch, seine Augen verrieten, das er den Preis als zu hoch empfand. 

Am Ziel zeigte das Taxameter genau € 10,20 an. Ich übersetzte den Betrag   gerundet auf € 10,00, um nicht als Pfennigfuchser gegenüber einem armen Touristen dazustehen und steckte den mir gereichten 10er ein.

„You said nine!“

„Uuh, I just estimated the price! 

Ich deutete nochmals auf das Taxameter mit den schönen roten Ziffern.

„You are lier, you took detour!“

Ich schubste ihn vorsichtig aus dem Taxi, grüßte höflich, schaute noch hinterher, bis er stolpernd sein Gleichgewicht wieder fand und lies dann diesen Ort hinter mir.

Umweg!? Und das mir, dem König der kurzen Wege, dem Schumacher der geschnittenen Kurven, dem Einstein der Streckenberechnung!

Freud zu Leid

Zwischen den Jahren, 22:30.

„Schön das du da bist, um diese Uhrzeit. Ihr Taxifahrer seid die Besten, immer da, immer bereit! Danke!. Bitte zuerst meinen Kumpel abholen und dann nach Bremerhaven, gibt auch ordentlich Trinkgeld!

Erfreut über soviel Empathie setzte ich mein strahlendstes Lächeln auf und entschied mich für den hochherrschaftlichen Fahrstil, d.h. Kurven sind großzügig zu schneiden, es ist weich zu Beschleunigen als sei die Queen oder Dynamit an Bord! Bremsen, so sanft, das der Fahrgast nicht mit dem Kopf nicken muß. Abstand halten, das man den Vordermann nur so eben erblinzeln kann und Vieles mehr.

„Fährst aber Autobahn, ne!“

„Sichi, Autobahn, sehr gern!“

Mit seinem Kumpel erreichte ich die A 27 Richtung Norden und mir wurde geheissen, etwas auf die Tube zu drücken.

„Jetzt mal „Kickdown“, hier kannste ruhig 160 (erlaubt 120) fahren!“

Jaja. Ich beschleunigte auf 120 km/h und erkundigte mich, welche Abfahrt es sein dürfe.

*nix*

„Welche Abfahrt, oder wo hin?!“

*nix*

Als wir soeben die Abfahrt „Süd“ verpasst hatten wurde der „Kumpel“ auf einmal wach und frug wiederum seinen Kumpel:“ Wollten wir nicht zum“ Krons Eck“?“

„Äh, ja klar. Taxifahrer, fahr einfach die Nächste ab!“

Bis hierhin war es nur ein kleiner Umweg von drei Kilometern gewesen. Nach einem kurzen Stop an der Sparkasse erreichten wir das Ziel.

„Geschlossen! Warum sagst du nicht Bescheid, du warst doch bestimmt schon hier Heute, Taxifahrer!?“

„Nein, bisher wollte Heute Keiner hier her!“

„Dann zur Lessingstrasse!“

In der Strasse mit den käuflichen Mädels angelangt, zeigte das Taxameter genau € 59,50. Mir sackte das Herz in die Kniekehlen. Das ist eine verdammt ungünstige Konstellation. Ein sehr hoher Fahrpreis, für eine Strecke, die auf dem direkten Weg vielleicht nur die Hälfte betragen hätte und Aussicht auf nur € 0,50 Trinkgeld bescherte. Und das bei all meinen Bemühungen eine perfekte Tour hinzulegen.

Und was dann geschah, hätte der HerrTaxifahrer sich nicht besser ausdenken können, weil das so bescheuert war, das glaubt keiner!

„Mach 50!“, sagte der Fahrgast jovial und reichte mir den passenden Schein.

Und dann dauerte es etwas. Von Außen betrachtet hätte sicher Jedermann angenommen, wir würden an der „Mannequin Challenge“ teilnehmen und unsere Bewegungen absichtlich für einen Moment eingefroren haben.

Das war es aber nicht, denn fast hätte ich meinem Fahrgast gedankt und wäre weggefahren. Mit einem 10er Verlust. Zum Glück hatte mich der zweite Blick auf das Spiegeltaxameter gerettet und meine rationale Gehirnhälfte hatte den Fehler festgestellt.

„Mein Herr, es sind € 59,50, ich bekomme noch weitere € 9,50 von Ihnen!?“

„Taxifahrer, das kannste vergessen. Fährst uns hier wild durch die Stadt und willst mich jetzt abzocken!?“

In diesem Moment griff der Kumpel von Hinten ein, reichte mir einen Zehner und sie verschwanden. Und in diesem Moment erinnerte ich mich zum Glück an einen Vorsatz, den ich mir zu Beginn der letzten Silvesterschicht gefasst hatte:“1

 

Und die Moral von der Geschicht!?:

„Trau angetrunkenen Fahrgästen nicht!“