Flash

Neulich war ich ja nach Bockhorn unterwegs gewesen.
Auf dem Rückweg war ich gerade damit beschäftigt, zu erinnern, welche Strasse ich in Varel abbiegen muss, um zu meinem bevorzugten Kalorienlieferanten zu gelangen.
Mein Körper bereitete sich schon auf eine unverzügliche Nahrungsaufnahme vor, da erinnert mich ein subalterner Drecksack am Straßenrand an das Tempo-70-Schild vor 200m.

Alle Systeme fuhren sofort herunter um gleich darauf sämtliche Energie auf Augen und Hirn umzuleiten und zu veranlassen, den aktuellen Tachostand auf den Zeitpunkt des Geistesblitzes hochzurechnen. Die darauf umgehend eingeleite Analyse ergab eine Überschreitung des Highspeeds um ca. 15 km/h.

Nach einer kurzen Kalkulation zog ich von meiner vorher geplanten Bestellung drei Burger ab, um mein Budget durch das zu erwartende Verwarnungsgeld nicht zu überlasten.

Alles das half nicht mehr. Sämtliche Einheiten der Speichelproduktion hatten schon umgestellt auf Erzeugung von zusätzlicher Magensäure und die Kaumuskeln waren abgezogen zur Kontraktion des Magens.

Also keine Einkehr am Drive. Durch diesen sorglosen Umgang mit dem Gaspedal setzte ich nun schon zum wiederholten Mal meinen Status als Poweruser bei unseren Amerikanischen Freunden aufs Spiel.

Selbst die Notfunktion „hoffen und bangen“ auf einen Defekt des Starenkastens brachten keine Besserung und ich kehrte mit Magendrücken auf die rechte Weserseite zurück.

Amtliches Ergebnis der Ziehung des Verwarngeldes: € 10,00 für 80 km/h in der 70er-Zone, incl. Abzug der Toleranz.

Die Moral von der Geschichte:

Immer was zum Kauen dabei haben!

 

Puffgänger II

Kurz vor Feierabend klingelt  heult das Mobile Kommunikationssystem mit einem infernalischen Getöse auf.

„Holen sie mich bitte ab, ich bin $temporäramdeichderweser und möchte in die Lessingstrasse, meine Puffkasse läuft schon über und es ist an der Zeit die Hormone zu stillen!“

Der gesprächige Herr stieg ein und legte mir schon mal 50 € vor das Display des Radios.

„Sie wissen schon wofür das ist, HerrTaxifahrer?“

“ Klar, Danke!“

Die Strecke sollte um die 45 € liegen, soweit befand ich ich finanziell schon mal in Sicherheit und spekulierte schon auf die Differenz als kleines Bakschisch für mich. Normal gibt es bei diesen Touren keine spendablen Trinkgelder, also bleibt nur wünschen und hoffen. Da ich nach Stundenlohn bezahlt werde, besteht Hoffnung auf kurzfristige Gehaltserhöhung nur durch freiwillige Sonderzahlungen der Fahrgäste. Und bei 5 € Tip stiege mein Stundenlohn in dieser Schicht um sagenhafte 0,55 Cent.

Auf der fahrt ins Paradies erfuhr ich dann auch, wie er sein Geld manchmal verdient und es auch gleich wieder unter die Leute bringt. Es war sehr interessant, denn er hatte schon viele Berufungen und war ein Weltenbummler. Mehr kann ich nicht verraten, er ist in der Region bekannt.

Am Ziel angekommen bin ich erstmal entsetzt. Die Uhr Das Taxameter ist genau bei 44,80 stehen geblieben. Also rechnete ich mit gerade 2 Cent Erhöhung meines Soldes.

“ HerrTaxifahrer, was bekommen sie denn von mir?“

„HerrFahrgast, nach Abzug des Fahrpreises bekommen sie noch € 5,20 heraus…hier habe ich sie schon für sie abgezählt.“

“ Aber, aber HerrTaxifahrer?, das ist doch ihr Trinkgeld!“

Er reicht mir noch einen 50er, und ich sehe jetzt erst das sich in seiner nicht vorhandenen Brille  spiegelnde, dumme Gesicht des HerrnTaxifahrers.

“ Machen sie sich keinen Kopf, HerrTaxifahrer, das mach ich immer so. Geben sie mir einfach `nen 5er raus und sie sind mich los.“

Tja, Stundenlohn um € 5,59 (Netto!) erhöht, dafür bedankte ich mich natürlich und schon war er im Lichtermeer untergetaucht und in einem der $nagelstudios verschwunden.

In Gedanken versunken trat ich den Rückweg zur Zentrale an (Mache jedesmal zum Dienstende,lol). Oft überlege ich, wenn  DERHANDY kurz vor Feierabend losbrüllt, ob da wieder mein Sponsor antwortet. Aber bis jetzt ist wohl sein Schweinchen noch nicht wieder Fett genug.

 

 

Paarhufer in blauen Säcken

Neulich, es war schon schön warm. Ich hole einen richtig fetten Fahrgast ab, er steigt vorn rechts ein, der Gurt passt nicht, aber es existiert ausnahmsweise eine Befreiung und es geht los. Da ich als Sammeltaxi unterwegs war, sollte an der nächsten Station noch ein weiterer Fahrgast eingebaucht aufgenommen werden. Dort steht schon ein bekanntes Gesicht, Stammgast im Sammeltaxi. Nur übel bepackt mit irgendwelchen Müllsäcken.

Jeweils 2 Tüten zusammen gebunden und über die Schulter gehängt, einer am langen Arm und hinten noch ein BW-Rucksack.

Ich steige aus und öffne schon mal den Kofferraum.

„Wir müssen uns beeilen, ich habe Fleisch gekauft und das muss schnell in die Kühlung. Es tropft schon etwas Blut heraus, dafür habe ich extra eine Folie für deinen Kofferraum“

Haha, das sah richtig appetitlich aus, denn der Rucksack war auch schon richtig durch gesickt und es hatten sich schon Ränder von schon getrocknetem Fleischsaft abgebildet, aber es roch nicht und so luden wir die Güter ein und die Tour ging weiter.

“ Zentrale?, hier HerrTaxifahrer, ich muss erst nach $dorfanderweser, bevor ich zum $ortanderb6 komme. Ich muss Gas geben, denn ich habe ein halbes Schwein an Bord!“

„HerrTaxifahrer, ist Ok!“

“ Äääääh „, meldet sich Fahrgast 1 mit der Wespentaille,“ wollen sie mich etwa beleidigen?“

“ Oh, Entschuldigung, sie haben es nicht mitbekommen, wir haben hinten gerade ein paar Tüten eingeladen, zusammengesetzt ist das ein halbes Schwein usw. bla…..“

Weitere Ausführungen habe ich mir erspart, wollte das tote Viech hinten drin nicht auch noch in Verlegenheit bringen.

Versuchter Mord !

Nach Indiek wurde ich gerufen, ein idyllisches Dörfchen unter dem Deich der Weser 10 km südlich von Bremerhaven.
An der Abholadresse wurde mir eine 75-jährige Dame übergeben. Ihr Lebensabschnittsgefährte hätte sie im Stich gelassen und sei allein zurück nach Bremerhaven gefahren. Vorher hätte er ihr auch noch Gewalt angedroht, ich solle nicht anhalten, falls uns Jemand dazu auffordert.

Na suuuper, das war ja mal wieder ein geiler Spezialauftrag Pflegefall für mich.

Auf dem Weg zu ihrer Wohnung erfuhr ich ich, das sie soeben ins Wasser der Weser gezogen werden sollte und sich nur durch heftige Gegenwehr losreissen und eben zu der Abholadresse zu laufen und um Hilfe zu bitten.

Des weiteren war der böse Gefährte schon öfter grob geworden und nun hatte meine Fahrgästin Angst allein in ihre Wohnung zu gehen. Ich versprach sie zu begleiten und habe am Zielort in Erwartung des Angriffs gleich mein Iphone auf 110 programmiert.

„So, da wären wir, macht 33,50″

“ Ähhm, Geld habe ich nicht dabei, das hat er mir weggenommen, aber mein Sohn wohnt um die Ecke, der hat mich lieb und wird das bezahlen!“

Na schön, dann schlug ich vor, doch zuerst den Sohn aufzusuchen und schon war ich aus dem Schneider wieder in der Scheiße. Denn dort angekommen wurden wir mit einem freundlichen “ Wer sind sie und was wollen sie mit der alten Schnepfe bei mir, die is doch bekloppt“ empfangen.

Nun legte Omi los und berichtete von dem vorangegangenen Mordversuch und der Flucht mit dem Taxi und ich versuchte mit guten Argumenten an mein Geld zu kommen.

Nach langem Hin und Her musste ich erfahren, das meine Kundin dement und sehr verwirrt ist. Sie macht sich regelmäßig auf den Weg um die Welt mit ihren dramatischen Geschichten zu begeistern und Chaos auszulösen.

Mir war der Gedanke natürlich auch unterwegs gekommen, das da was nicht ganz koscher ist, aber wenn man die betroffene Person nicht kennt, kann man nicht so einfach entscheiden, was Wahrheit oder Märchen ist. Im Zweifel würde ich auch zukünftig immer wieder erst mal vom Schlimmsten ausgehen.

Ok, ich war froh aus der Sache raus zu sein und konnte wieder zur Tagesordnung über gehen, nachdem ich auch mein Fahrgeld endlich erhalten hatte.

Fettnapf

Neulich einen Auftrag erhalten. Bitte Herrn U. N. Beweglich zur Krankengymnastik fahren. Herr B. kam aus der Tür und machte sich leicht schwankend zur geöffneten Tür der Beifahrerseite. Im Auftrag stand, das ich ihm helfen soll. Hab ihn gestützt und angeschnallt, alles war Gut.

Da ich das  Ziel noch nie angefahren hatte, fragte ich Herrn B. ob er mir den Weg ansagen könne. Darauf hin erhielt ich nur ein Kopfschütteln als Antwort. Naja, er kennt den Weg vielleicht wirklich nicht, habe dann die Koordinaten von der Zentrale eingefordert und Herrn B. abgeliefert.

Beim Abholauftrag stand dann dabei, das ich Herrn B. zu Hause eben das Mittagessen anwärme und es serviere (Ja, unsere Firma macht sowas!). Ich solle daran denken, den Deckel vom Joghurt abzuziehen, den bekommt er nicht auf, weil Blind .

Maaaaaaan, war das peinlich, oder habt ihr schon mal einen Blinden nach dem Weg gefragt?

Verkauft

Eine Sammeltaxifahrt vom Hauptbahnhof in Loxstedt nach $dorfanderb71. Der junge Mann steigt ein und ich fahre los. Mein Fahrgast sucht in seinen Jackentaschen und fördert eine kleine Verpackung zu Tage.
Er dreht und wendet sie:” Verdammt, das sind ja gar keine Kondome. Was soll ich denn mit String-Tangas anfangen?”
Er reisst die Packung auf und hält die Teile hoch. ” Ach, Scheiß drauf, die probiere ich zu Hause gleich mal an!”

Und ich krieg das Bild jetzt nicht mehr aus dem Kopf ;(

Puffgänger I

Ich hasse liebe diese hormongesteuerten Taxibestellungen. Meistens stinkbesoffen leicht angeduselt und mit einem Liter Aftershave überschüttet eingedieselt machen sich dieseselbstbewussten Herren auf den Weg, die käufliche Damenwelt mit ihrer Präsenz zu beglücken.
Hier im Südkreis fahren die immer nach Bremerhaven. Die Hafenstraße und explizit die Lessingstrasse sind die Ziele der Begierde.
Als Fahrtziel wird natürlich eine ganz anonyme Haltestelle angegeben:
Ich möchte zum $puff      OBI-Baumarkt…(nachts um 3, lol, 100m bis zum 1. Club),
oder
bitte halten sie dort vorn, da wartet mein Kumpel, der wohnt hier. ( 30m bis zu den Schaufenstern in der Lessingstrasse).
Jetzt nur noch schnell den HerrTaxifahrer anmachen, weil die Anfahrt zum Paradies mal wieder so teuer war und dann raus aus dem Taxi, schnell eine Kippe an oder aufs Handy glotzen bis HerrTaxifahrer endlich aus der Sichtweite verschwunden ist. Dann ” Abteilung kehrt ” in Richtung Samenräuber der Holden Weiblichkeit .

Und täglich grüßt das Murmeltier (1)

Heute bewaffnete ich mich mit einem Mercedes Sprinter. Der Auftrag lautete: 7 Omis der $tagespflegeeinrichtung entsorgen abholen und nach Hause transportieren.
Wir fahren diese Tour täglich und sie bleibt immer etwas besonderes, denn die alten Damen haben außer der Busfahrt noch etwas anderes gemeinsam. Sie Leiden unter Demenz und haben keine Hemmungen das bei jeder Fahrt erneut deutlich zu machen.

Omi Nr. 1 ist eine ganz Liebe, so um die 90. Sie glaubt, sie sei ein kleines Mädchen, welches jeden Abend zum spielen zu ihrer Omi fährt.

Omi Nr. 2 weigert sich täglich aufs Neue auszusteigen, weil ihr die Strasse/das Haus/der Ort völlig unbekannt seien.

Omi Nr. 3 erkundigt sich alle 3 Minuten ob ich denn auch den Weg zu ihrer Wohnung kenne.

Usw,usw.

Und so geht das jeden Tag.

Ab und an gibt es mal eine Abwechslung bei dieser Tour, doch davon Berichte ich später.