Such…, suuuuch…!

Ich war mit meinem Fahrgast schon auf halbem Weg zum Ziel, da tippt er mir auf die Schulter, damit ich ihn anschaue.

Er möchte etwas. Er zeigt mir seinen Hausschlüssel und tippt dann auf die Mittelkonsole.

Seine Behinderung ist mir nicht bekannt, er spricht jedoch nur wenige Worte und leidet offensichtlich an Vergesslichkeit.

Ich sage Gegenstände auf, in der Hoffnung er würde nicken. Er fand meinen Vorschlag gut, wieder nach Haus zu fahren. Da sei etwas das er benötige, erriet ich.

Er tippte wieder auf die Konsole und malte mit dem Finger ein Rechteck, ein kleines.

„Zigaretten?“

Er schüttelte den Kopf und er tippte und malte das Rechteck etwas größer: „Soooooo!“

Ich nahm seinen Hausschlüssel, während er gehbehindert im Taxi verharrte und suchte seine Wohnung nach verschieden großen Rechtecken ab, entdeckte jedoch nichts passendes.

Ich lief zum Wagen, machte ein dummes Gesicht und er malte ein DIN A 5 großes Rechteck und daneben auch noch ein Dreieck.

Er strengte sich an, zu erinnern, was er vergessen hatte.

„Tochter hat es mir gesagt!“, Platze es aus ihm heraus, befreit grinsend über beide Backen.

Ich guckte weiter blöd.

Er guckte verzweifelt.

Ich scrollte durch den Fahrauftrag. Da stand doch glatt die Telefonnummer der Tochter drunter! Sofort angerufen und erfahren, um was es ging.

In seinem Flur stand ein Rolli, an dessen Griffen auf der einen Seite eine rechteckige Tüte mit Verordnung und Taxischein, an der Anderen eine FFP2-Maske.

Vorsichtshalber habe ich dann auch gleich den Rolli mit eingepackt, man weiß ja nie!

Nein Fahrgast strahlte nun wie die Frühlingssonne nachmittags um zwei und wir konnten nun endlich nach Bremerhaven zum Klauenschneider*!

*Podologe

Der Oktopode! – Nur für abgehärtete Leser :-) –

Diese Story ist schon ein paar Tage her. Wie ihr sicher bemerktet, hatte ich einige Zeit keine richtige Schreiblust. Aber ich hab mir die heftigsten  Begebenheiten aufs Handy gesprochen und präsentiere diese nun hier.

 

Der Mann hatte ordentlich Alkohol getankt und machte sich sich auf dem Sitz neben mir bequem. Er benötigte einige Hilfe, um in den Sitz zu kommen, sein Kumpel drückte von Außen die Tür zu…, paßt!

Er war so einer aus der Spezies der Traktoristen eines lokalen Maschinenringes und seine gute Kinderstube hat er nach der Führerscheinprüfung wohl verlegt. Jedenfalls war sie nicht mehr da.

Nachdem er mir das Fahrziel genannt hatte, bat er mich nicht zu schnell zu fahren, er wäre etwas krank von einer verschleppten Grippe.

„Aha!“

Er schlief dann nach ein paar Metern ein und schnurrte zuerst wie ein Kätzchen. Dann räusperte er sich. Und er räusperte sich. Und dann mußte er Husten, wachte auf und ein heftiger Nießer verließ seinen Rüssel, nun löste sich ein sagenhafter Furz, der nicht enden wollte. Dabei schaute er auf seine Hand und ich folgte seinem Blick. Dort baumelte  nun ein Popel in der Form eines kleinen Tintenfischchens herab.

„Nooooo,noo,nonono,nooooooooooo!“, schoß es mir durch die Glieder.

Jetzt drehte er den Kopf zu mir, sah mir ganz tief in die Augen.

Und sein Blick sagte: „Nun mal nich‘ so neidisch!“

ENDE

„Schnaps“, das wäre sein letztes Wort!

Auftrag: Ortsfahrt

Am Seniorenheim erwartete mich mein Kunde. Er saß im Rollstuhl, das hatte er bei der Bestellung nicht erwähnt. Da ich wie gewöhnlich meinen Caddy fuhr, stellte das kein Problem dar, denn er ist dafür speziell ausgerüstet. Dennoch erkundigte ich mich bei meinem Fahrgast, ob er umgesetzt werden könne oder im Rolli transportiert werden wolle. Ich klappte die Rampe herunter und die Kopf-und Rückenstütze aus, er sei „schlecht zu Fuß!“.

Bevor ich ihn einlud, eröffnete er mir, das er gern zur Tanke möchte, ich solle ihm eine Bildzeitung und eine 0,2 Liter Flasche Korn dort heraus holen…………..

………… und dann wieder zurück hierher!

„Uff????“, ein Heimbewohner.

Ursprünglich hatte ich angenommen, ein Besucher wolle nach Hause gebracht werden. Nun lag die Sache anders. Menschen im Seniorenheim unterliegen Hausordnungen und haben oft gesundheitliche Probleme.

Alkohol hätte ich jetzt ja bedenkenlos eingekauft für ihn, aber eine „BILD“!?

Ich schlug vor, für ihn günstiger, eine Besorgungsfahrt daraus zu machen. Ich führe zur Tankstelle, würde erst dort die Uhr einschalten -wie bei solchen Dingen üblich- und nur die Zeit für den Einkauf und die einfache Fahrtstrecke berechnen.

Wir einigten uns darauf, das er vor dem Gebäude warten solle.

Ich meldete der frischgebackenen Bachelorette in der Zentrale, das sich mein Auftrag etwas anders gestalte. Daraufhin erfuhr ich, das der Senior am frühen Nachmittag schon eine solche Aktion gestartet hatte.

Die Kollegin der Frühschicht hat dann im Telefonat mit dem Heim erfahren -sie war etwas fürsorglicher als ich-, das „Bacchus“ die Leber meines Kunden schon erheblich geschädigt hätte und der Auftrag somit als gecancelt anzusehen sei.

So stornierten wir auch diese Tour und kontaktierten das Heim erneut.

Ich werde zukünftig besser das Pflegepersonal einbeziehen. Leider können/dürfen manche Menschen nichts mehr selbst entscheiden.

Die Artistin (1)

Bitte nehmt es mir nicht übel, wenn ich heute wieder einmal über einen Fahrgast herziehe. Ich hab leider Niemand anderen zum Demütigen….zumindest einen, wo es mir so viel Spaß bringt.

Die Frau – oder ist es vielleicht doch ein Mann ? (ist mir eigentlich egal) – stieg an einem Montag zu, einem der ersten schönen warmen Frühlingstage dieses Jahres.Dazu hatte ich mir extra schon das Fell aus meiner Weste geknöpft, um das laue Lüftchen (20 Grad) zu geniessen.

Meine Fahrgästin – oder ist es vielleicht ein Mann? – herrschte mich an, das Fenster zu schliessen und die Heizung anzustellen, ihr/ihm sei kalt. Also doch eine Frau, die frösteln ja immer …  🙂 , naja, egal.

Diese übellaunige Person hatte ich schon des öfteren transportiert, wußte aber nichts über sie, denn sie gab immer nur Kurzbefehle von sich. Die Touren waren nie länger als 5 Minuten. Sie ist immer außer Atem, zu klein für ihr Gewicht und müffelt nach nachaktiven Waldbewohnern. Wahrscheinlich eine Verwandte vom „Frettchen„.

Ich schloss also das Fenster, spielte ein wenig an der Klimaanlage ohne sie einzuschalten, warf ein Bonbon ein und erreichte nach 2 Minuten ihren lokalen Lebensmittelhändler. Sie würde später anrufen, wegen der Heimreise.

In Absprache mit der Zentrale blieb ich auf dem Parkplatz stehen und wartete auf es. Vorsorglich öffnete ich schon einmal die Scheiben der beiden hinteren Fenster. Bis wir bei ihr zu Hause sind, würde sie das nicht bemerken, dachte ich.

Und da erschien sie schon nach wenigen Minuten mit einem prall gefüllten Einkaufswagen und rollte damit auf meinen Wagen zu. MIr schwante nichts Gutes!

„Machen Sie das in die Tüten, sonst fliegt das alles lose rum. Aber nichts kaputt machen.

Alter Schwede, ich schaute drein wie ein Auto, sagte man früher. Autos schienen damals ziemlich bedeppert geschaut zu haben, jedenfalls war ich paralysiert und begann stoisch mit dem Einräumen ihrer Beutestücke. Jede Widerrede hätte die Fahrt verzögert und das wollte ich unbedingt vermeiden.

Pflichtbewusst erledigte ich den Frondienst, setzte mich in den Wagen und schaute zu, wie das Ungetüm mit der 3. Kippe im Mund den Einkaufswagen zurück in die Reihe schob. Etwas ungeschickt ruckelte sie an dem Mechanismus, der das Geldstück beherbergte, welches als Geisel in einem kleinen Plastikgehäuse auf seine Befreiung wartete.

*plongs,pling,roller,roller,pling*

Das Euro-Stück war ihr entglitten, auf’s Pflaster gefallen und in einem Kreis um sie herum gerollt, bis es vor ihren Füßen zu liegen kam.

Sie bückte sich. Nein. Doch. Nein.

Es war nicht wirklich der Versuch des „uns“ bekannten Vorbeugens zum Zwecke des Ergreifens irgendwelcher Sachen vor oder unter sich, sondern es sah aus, wie das Nicken, wenn wir auf der anderen Straßenseite einen uns bekannten Finanzbeamten erkennen.

Sie nickte also 2-3 Mal ohne Erfolg. Ihre Arme langten nicht bis zum Boden. Sie schaute zu mir herüber.

Keine Chance Mädchen!

Vorsorglich hatte ich mein Tourenbuch in die Hand genommen und tat so, als würde ich den Jahresabschluß durchführen.

Im Augenwinkel bekam ich dann ein  Evolution „live“ und in Farbe präsentiert. Das viel zu unbewegliche „Weibchen“ wollte sich eines Trick`s bedienen, um an ihr sauer abgehobenes Geld zu gelangen. Gefühlte 2 Minuten versuchte sie – ernsthaft und konzentriert – die Münze mit Hilfe einer ihrer Fußspitzen auf die Kante zu stellen, damit sie so um 90 Grad aufgerichtet leichter gegriffen werden könne.

Fußballer würden vielleicht versuchen, mit einem schnellen „Spitze-Hacke“ die Münze in die Luft zu schleudern und dann zu fangen, aber dazu fehlte ihr die Spannkraft.

Leider führten die Versuche nicht zum Erfolg und sie Griff auf jahrelange Erfahrung im Umgang mit Menschen zurück.

euro

Wie ein Radar suchte sie das nähere Umfeld ab, entdeckte ein junges „Männchen“ und ersuchte befahl ihm, die Münze aufzuheben. Der junge Mann tat wie ihm aufgetragen, überreichte die Münze und verschwand.

Für die 20 m zum Taxi steckte sie sich erst mal noch Eine an, um sie nach 3 Zügen während des Einstiegs weg zu schnipsen.

Hat nicht geklappt!

Die Kippe landete im Fußraum und dort begann es sofort zu schmurgeln.

Denkste, ich werde der doch nicht den Rock hochziehen, damit ich an die Zichte komme! Ich spurtete um den Wagen herum, rief ihr dabei zu, die Füße hoch zu nehmen und konnte so einen schlimmen Fahrzeugbrand verhindern.

Was dann geschah, veranlasste mich überhaupt erst diesen Artikel zu schreiben.

Und das erfahrt ihr Morgen oder so…….

 

HerrPsycho-Doc

Die nächste Tour war war als Krankenfahrt avisiert. Nichts Schlimmes…, nur Jemanden vom Knochendoktor abholen und nach Haus bringen.

Am Treffpunkt erwartete mich mein Fahrgast schon auf dem Bürgersteig. Er telefonierte und er begrüßte mich durch Kopfnicken, während er seinen Gesprächspartner anschrie!

„Ich bin $beruf von Beruf und kein IT-Fachmann. Ich installiere hier gar nichts auf dem Schlau-Fon, außerdem bin ich „Krank“ geschrieben. Deine Überwachungssoftware kommt bei mir nicht drauf, dieses verdammte „WhattsApp“ kontrolliert mich nicht!“

Er legte sein Telefon beiseite, entschuldigte sich für den rauen Ton, aber seine deutliche Sprache wäre notwendig gewesen. Er wolle nicht den ganzen Tag auf sein Handy glotzen, nur weil vielleicht eine wichtige Nachricht einträfe, bezüglich Änderungen seiner Arbeitszeiten.

„Die sollen gefälligst anrufen, wenn sie Was wollen!“

Da ich sowieso 24h „Online“ bin, ist das regelmässige „Checken“ kein Problem für mich. Aber wer das Smartfon ansonsten nicht nutzt!? Das kann dann schon nerven, denke ich.

„Bitte nicht aufschreiben, das du mich von der Kneipe abgeholt hast! Aber ich hab so eine Lust mich zu besaufen. Die Ärzte sind alle bescheuert, können keine vernünftige Diagnose stellen!“

Er holte etwas weiter aus, erklärte wie es zu dem Sturz kam, der seinen Fuß versteifte und bat mich, bitte noch am Penny-Markt zu halten, damit er sich eine Flasche Whisky holen könne, er müsse sich dringend besaufen, die Probleme wüchsen über seinen Kopf!

Nach einer kurzen Stille ergriff ich das Wort. Zuerst handelten wir das Thema mit der Software und dem Handy ab, gefolgt von seinem Arbeitsalltag und seiner jetzigen Situation. Da er bisher wohl nur 2 halbe Liter Bier intus hatte, war die Unterhaltung immer noch sehr Aufschlussreich. Aus Gesprächen Monologen mit von anderen Patienten – die erzählen ja auch wirklich alles – hatte ich einen ziemlichen Erfahrungsschatz, um ihm ein paar Tipps mit auf den Weg zu geben.

Vor der Einfahrt zum Penny bremste ich kurz an, schaute fragend zu ihm hinüber.

„Fahr weiter, ich brauch keinen Whisky mehr. Du bist echt ein Guter! Danke das du mich runter geholt hast, echt. Gut das du mich Heute gefahren hast! Wie ist dein Name, ich heisse $name?!“

Wir verabschiedeten uns gegenseitig mit den allerbesten Wünschen. Mein Gefühl sagte mir, das gerade 2 Menschen ihr Karma verbessert hatten und von soviel Dankbarkeit beschwipst steuerte ich frohen Mutes zum nächsten „Pflegefall“!

Selbstbestimmung verloren?

Eine Fahrgästin bat mich auf dem Rückweg von einem Termin, ihr 2 Briefe einzuwerfen und das Porto auszulegen. Bedingt durch ihre Krankheit (Unfall?) ist sie schwer zu verstehen, da bleiben weitergehende Gespräche aus.

Mehr als „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ ist nicht drin, da sie wirklich kaum zu verstehen ist. Aber wenn Jemand 2 Briefe hochhält und damit auf die Post deutet, bleibt nicht viel übrig. Bei Gelegenheit und Zeit und der Poststelle an der Strecke hat mein Chef nichts dagegen, für Stammgäste auch einmal eine klitzekleine Besorgung zu erledigen.

Ich reichte die Briefe ein, lies mir die Quittung geben und setzte die Fahrt fort. Meine Fahrgästin gab mir zu verstehen, das sie gerade kein Geld dabei hätte und ich möge ihr den Beleg geben, sie würde das den nächsten Tag erledigen.

Am Abend erfuhr ich, das eine Verwandte angerufen hatte. Sie hatte angeordnet, künftig keine Aufträge von unserem Fahrgast mehr auszuführen. Ohne Kommentar!

Jetzt bin ich Baff und warte auf meine € 2,07. Dabei ist mir das Geld völlig egal. Vielmehr möchte ich wissen, was der Grund für solches Verhalten der Angehörigen ist, denn es wird sicher noch weitere Touren mit dieser Dame geben. Und ich möchte ihr in die Augen schauen können, wenn ich vielleicht zukünftige Wünsche ablehnen muss, aus Gründen!