Unfall bei Autowäsche

Taxen sind 24/7/365 unterwegs. Und sie werden schmutzig. Und wir waschen sie.

Auf jeden Fall das Taxi nur während der Arbeitszeit und mit Auftrag des Chefs in die Waschanlage fahren. Dazu reicht eine einmalige Anweisung. Viele von meinen Kollegen nehmen ein Taxi mit nach Hause. Das birgt gefahren, die oft erst erkannt werden, wenn schon etwas passiert ist.

Hierzu ein Urteil bei LTO: Sturz bei Autowäsche nicht versichert!

Empfindlichkeit

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Der Schumi hatte einen schlimmen Unfall. Das hat jeder mitbekommen.

Ich erfuhr es auf Twitter. Vor dem Aufstehen wird kurz die TL gecheckt und da haut es einen dann um.

So weit, so schlecht! Ich scrolle mich weiter durch die Tweets und je später es wird, desdo häufiger tauchen sarkastische oder verachtende Threads auf. Es würde zu viel Bericht erstattet, in allen verfügbaren Medien. Es sollte sich besser um Anderes gekümmert werden!

Natürlich gibt es für die Menschheit berichtenswertere Dinge. Oder wichtigere Themen. Wo es um das Leben 1000der geht, aber Eins nach dem Anderen, so sehe ich das.

Ich hatte dann den erstbesten Twitterer angemault und entfolgt. Später war ich neugierig und sah noch einmal dort nach, um zu sehen, ob es ähnliche Reaktionen gab.

Vermutlich ein paar. Aber er hatte in nachfolgenden Tweets seine Haltung etwas relativierter dargestellt und mein Ärger war verflogen.Ich erhielt eine Nachricht von betreffenden Schreiber und in wenigen Sätzen haben wir uns kurz erklärt und bleiben uns in dieser virtuellen Dimension gegenseitig auf den Fersen. Alles wieder gut.

Viele Tweets kann ich aber nicht wirklich unter Sarkasmus, Kabarett, Satire oder Ironie ablegen.

Beispiel:

Felsen-Tweet

Wäre nur ein Auto geschreddert oder Niemand schwer verletzt, würde ich herzlich mitlachen.

Aber solches Geschreibsel betrachte ich in diesem Zusammenhang als unerhört. Kein Mensch dieser Welt hat das verdient! Vor allem die Familie wird aufs schlimmste beleidigt und ich schäme mich dafür!

Twitterer sehen sich häufig als bessere Menschen, im Vergleich zu Facebooknutzern, oder RTL-Zuschauern. Aber es wird knapp. Nur noch wenige idiotische Kurztexte trennen sie von der scripted Reality. Und statt Zuschauerzahlen sammeln sie Sternchen und Pokale.

Heute denke ich an Schumi und Morgen wieder an den Rest der Welt!

Oder bin ich zu empfindlich und stehe mit meiner Sicht alleine da?

Zum Advent*

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Taxi-Autos Horn.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das Taxi schnell ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.

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*Frei nach Theodor Fontane

Home, wet home!

Er ist alt.
Er ist krank.
Er kann kaum sehen.
Er wurde in Georgien geboren.

Er heiratete auf Kreta.

Er hat keine Bekannten.
Er ist wegen eines Freundes hierher.
Er hat ihn an den Himmel verloren.

Er „wohnt“ in einer Gartenlaube.
Er zählt die Löcher in der Decke. 11.
Er meint, die Handwerker sind Schuld.
Er hat keine Heizung.

Er wird in Abständen von einer Fürsorgerin besucht.

Er quittiert den Transportschein mit 2 großen Kreuzen.

Er hat sehr viel erlebt.

Er beschwert sich nicht.

Ich möchte schnell weg. Mir ist das hier zu ungemütlich, ich möchte als alter Mensch nicht so leben.

Die Pille Danach

Ich befand mich in der Apotheke, sie hatte Notdienst an diesem Wochenende.
Mein Auftraggeber hieß mich, Lactulose für ihn zu erwerben, die Flüssigkeit würde ihm das Leben retten, er hätte fürchterlichen Druck auf dem Bauch!

Der Apotheker nahm tippte die Bestellung in die Kasse nannte den Betrag und händigte mir den Sirup aus, nicht ohne anzumerken:

„Bitte nicht regelmäßig einnehmen, besser weniger und ausgewogene Speisen auf einmal zu sich nehmen. Dieses Mittel ist nicht als Verdauungsturbo zum Abnehmen geeignet!“

War ja nicht für mich. Ich versprach, es weiter zu geben .

What The FoG!

Heute Abend waren alle Touren stressfrei und gut getimed!

Die Fahrgäste waren durchweg entspannt, bier- und redselig!

Ein mitteldichter Nebel hatte sich über unserem Fahrgebiet ausgebreitet.

Um 23:30 werden hierzulande die Straßenlaternen gelöscht und die Fußwege hochgeklappt. In Verbindung mit dem Wasserdunst entsteht eine Atmosphäre wie einst in Transsylvanien, als Graf Dracula seine Runden drehte.

Passend dazu dann noch die Aussage des letzten Kunden der Nacht:

„Na,Herrtaxifahrer, sammeln sie wieder die Reste vor Feierabend ein?!“

Loss of memory!

Montags fährt Herr Springer immer zur Bastelpädagogik nach Bremerhaven. Die Zentrale gab mir auf, die Strecke auswendig zu lernen, S. würde immer Straßen verwechseln und könne nicht helfen.

Abgeholt, hingefahren, Stunde gewartet, wieder zurück gefahren. Zwischendurch Smaltalk abgehalten, ohne Befund…….

Nächster Termin. Ich kenne mich nun aus. Springer steigt ein und zückt einen Block aus seiner Mappe, liest darin und fragt:

„Wie ist ihr Name?“

„Andreas haben mich meine Eltern immer genannt!“

„Aah, hier sind sie ja. Ich muß immer nachsehen, was wir geredet haben, mein Kurzzeitgedächtnis ist bei einer Operation verschwunden.“

Das hat mich jetzt natürlich interessiert. Bei meinen Omis und Opis aus der Pflege liegt es am Alter, das die Erinnerungen langsam verschwinden oder durcheinander gewirbelt werden. Springer war ansonsten sehr redegewandt und machte einen schlauen Eindruck.

Während dieser Tour erzählte er mir, was vorgefallen war. Eines Tages wachte er in seinem Haus auf und wusste nicht mehr wer er ist und auch die Frau in seinem Bett war für ihn eine Unbekannte! Im Laufe des Tages erinnerte er sich immer wieder. Nachdem der Effekt immer häufiger auftrat, konsultierte er die Ärzte und sie diagnostizierten einen Gehirntumor.

Nach der Operation hatte es Monate gedauert, bis er erkannte das es sein Haus ist in dem er wohnt und die Frau an seiner Seite mit ihm verheiratet ist.

Seinen Beruf mußte er aufgeben, denn er konnte einfach nur unheimlich langsam etwas Neues lernen, da sein Gedächtnis sofort wieder alles vergaß. Er war Systemadministrator. Er ist bei Windows 3.1 stehen geblieben.

Und in der Bastelstunde hat er eine einfache Wanduhr gezimmert und sogar die Uhrzeiten richtig angebracht. Er zeigte mir stolz das Ergebnis.

Zum wiederholten Mal dachte ich, wie gut es mir doch geht. Das Schicksal hat wirklich die vielfältigsten Hürden für uns Menschen parat. Ich möchte echt nicht wissen, was es für mich noch so Alles in petto hat.