Liebe ist II

Ich wurde zu einem Haus gerufen um ein paar Dinge zu transportieren. Dort angekommen fand ich einen Mann und eine Frau vor, welche im Laufschritt irgendwelche Tüten und Haushaltsgeräte heraus trugen und in einen PKW luden.

Sie forderten mich auf, schon mal den Kofferraum zu öffnen und schwuuups, war mein Kombi randvoll mit Sperrmüll hochwertigen Plastikbehältnissen wie Wäschekorb und Tupperware.

“ Mach hinne, oder willst du das dein Macker uns erwischt“, rief er vom Eingang die Treppe zu ihr hinauf.

Oh, man, was nun jetzt schon wieder. Helfe ich hier beim Diebstahl aus. Ich frage nach.

“ Sorry, aber wem gehören die Sachen ? Möchte kein Komplize werden, wenn hier Was nicht koscher ist?“

Er beschwichtigte mich und erklärte mir, das Sie jetzt bei ihm einzieht und der Ex gerade in der Kneipe ist ist. Deshalb so schnell, es war nicht geplant. Sie zeigte mir zumindest noch mal ihren Ausweis, so konnte ich wenigstens Namen und Anschrift vergleichen.

Endlich ging es los und ich fuhr dem PKW hinterher. Die Uhr lief bereits seit dem Ladevorgang und ich begann im Geiste, den angezeigten Betrag vom Wert der Transportgüter zu dividieren. Kopfschüttelnd folgte ich dem Pärchen durch die Nacht, war ich rechnerisch schon nach wenigen Kilometern schon bei einer negativen Bilanz angekommen.

Die Fahrt ging eine Kleinigkeit südlich von Bremerhaven los und endete erst wieder in Bremen. Der Plastikmüll hatte sicher schon Neu nicht mehr als 100 Öcken gekostet, stieg sein Preis durch diesen Frachtauftrag fast auf das doppelte.

„Macht 87,50 bitte!“

“ Hier Herrtaxifahrer, mach 90.“

Ich konnte mir die Nachfrage nicht verkneifen.

“ Dankeschön, aber waren die Sachen so viel Wert?“

„Weißt du, ich liebe diese Sachen, sie sind alles was mir gehört und wollte sie nicht einem Arschloch schenken!, erklärt sie mir und verschwand mit ihrem „Freund“ und der „Aussteuer“ im neuen Domizil.

Viel Glück !

Liebe ist….

Heute einmal ein Schmankerl aus der Kategorie Frau/Mann-Mann/Frau.

Bestellt zum Italiener nach Sellstedt, parkte ich meinen 9-Sitzer direkt vor dem Eingang und gehe hinein um meine Fahrgäste zu suchen. Da kommt mir schon ein gemischt geschlechtliches Zweigespann entgegen getorkelt. Ich sage den Namen, ein solidarisches stammeln „wiasindas, wosndastaxi“ klärt mich auf und ich zeige den hinteren Einstieg.

Er setzt seine Frau auf die erste Bank und kriecht wieder zurück in das Lokal.

“ Muss noch Schwiaeltan holn! “

Ich schaue ihm nach, er krabbelt wie ein Mistkäfer (Sorry Mistkäfer) dahin und findet einen Spalt im Entreè. Seine Frau blubbert etwas vor sich hin. Ich übersetze das Gehörte und es schrillen meine Alarmglocken ! Da versteckten sich Worte wie “ Mir, Schlecht, gleich, muß“

Da füllten sich die Wangen zu einer lustigen Hamsterbacke und bevor sich der Innendruck    dem kritischen Wert annäherte, zog ich die Dame wieder aus dem Wagen und buchsierte sie in Richtung Bordstein.

Jetzt kommt, wie aus dem Nichts, der treue Ehegatte mit seinen Schwiegereltern im Schlepptau an gehechtet, greift sich seine Angetraute, ruft “ wir könn jez los“ und schubst sie im Nu wieder auf ihren Platz. Ein fürchterliches Inferno brach los, als ihre Lippen versagten und mir offenbarten, welche Speisenfolge an diesem Abend gewählt worden war.

Die erste Fontäne mündete zum Glück nur auf dem Boden des Fahrgastraumes. Die darauf folgenden Schockwellen ergossen sich in ihrem Schoß, aufs „Kleine Schwarze“. Sie hatte es mittlerweile am Saum gefasst und eine schöne Mulde geformt. Das Lob ich mir !

Er hat natürlich nichts mitbekommen, hatte zwischenzeitlich ganz hinten Platz genommen und folgte nun den Geräuschen seiner Lieben. Sie sagte mehrmals ihr sei schlecht und alles täte weh und bat ihren Schatz sie aus der Misere zu befreien. Doch er erwiderte in irgendeinem Kauderwelsch, das er sie liebe und zu Hause doch bald alles Gut werden würde.

Schwiegermutter war schon los um diverse Rollen Haushaltstücher zu organisieren und entsorgte schon mal die größeren Brocken vom Boden. Schwiegerpapi und HerrTaxifahrer trugen das gebeutelte (hihi) Mädel zum abtropfen in die Gosse.

Da das Auto eh versaut war, deckte ich noch schnell einen Platz mit einem Müllbeutel ab und wir traten die Fahrt gen Heimat der Pärchen an.

Am Ziel angekommen, schrieb ich schnell noch eine Rechnung für die Endreinigung zusätzlich zum Fahrpreis. Papi war richtig sauer und versprach, am nächsten Morgen alles zu meiner Zufriedenheit zu klären.

Die folgende Reinigungsorgie frustete mich, wie immer bei solchen Überraschungen. Dennoch hatte ich Glück im Unglück gehabt, denn die Sitze und Lüftungsschlitze waren nicht betroffen. So konnte ich nach Einsatz von etwas zusätzlichem Duftspray noch ein paar „saubere“ Touren fahren in dieser Nacht.

 

 

 

Verschlüsselung

Sonntag Morgen um 4 Uhr vor der Disco „Pam Pam“ wartete ich auf Kundschaft.
2 junge Damen steigen zu und während wir abfahren konnte ich folgender Unterhaltung lauschen:

Mädel I : Du, sag mal, haste dem Spako von vorhin wirklich deine Handynummer gegeben.

Mädel II : Nee, türlich nich meine richtige. Habe einfach eine Zahl ausgedacht und hinten drangehängt.

HerrTaxifahrer : Oo!

Ein Klingelton lässt sich vernehmen.

Mädel 1 : Drück den weg, drüüüüück deeen weeeeeeeeeeg.

Puffgänger II

Kurz vor Feierabend klingelt  heult das Mobile Kommunikationssystem mit einem infernalischen Getöse auf.

„Holen sie mich bitte ab, ich bin $temporäramdeichderweser und möchte in die Lessingstrasse, meine Puffkasse läuft schon über und es ist an der Zeit die Hormone zu stillen!“

Der gesprächige Herr stieg ein und legte mir schon mal 50 € vor das Display des Radios.

„Sie wissen schon wofür das ist, HerrTaxifahrer?“

“ Klar, Danke!“

Die Strecke sollte um die 45 € liegen, soweit befand ich ich finanziell schon mal in Sicherheit und spekulierte schon auf die Differenz als kleines Bakschisch für mich. Normal gibt es bei diesen Touren keine spendablen Trinkgelder, also bleibt nur wünschen und hoffen. Da ich nach Stundenlohn bezahlt werde, besteht Hoffnung auf kurzfristige Gehaltserhöhung nur durch freiwillige Sonderzahlungen der Fahrgäste. Und bei 5 € Tip stiege mein Stundenlohn in dieser Schicht um sagenhafte 0,55 Cent.

Auf der fahrt ins Paradies erfuhr ich dann auch, wie er sein Geld manchmal verdient und es auch gleich wieder unter die Leute bringt. Es war sehr interessant, denn er hatte schon viele Berufungen und war ein Weltenbummler. Mehr kann ich nicht verraten, er ist in der Region bekannt.

Am Ziel angekommen bin ich erstmal entsetzt. Die Uhr Das Taxameter ist genau bei 44,80 stehen geblieben. Also rechnete ich mit gerade 2 Cent Erhöhung meines Soldes.

“ HerrTaxifahrer, was bekommen sie denn von mir?“

„HerrFahrgast, nach Abzug des Fahrpreises bekommen sie noch € 5,20 heraus…hier habe ich sie schon für sie abgezählt.“

“ Aber, aber HerrTaxifahrer?, das ist doch ihr Trinkgeld!“

Er reicht mir noch einen 50er, und ich sehe jetzt erst das sich in seiner nicht vorhandenen Brille  spiegelnde, dumme Gesicht des HerrnTaxifahrers.

“ Machen sie sich keinen Kopf, HerrTaxifahrer, das mach ich immer so. Geben sie mir einfach `nen 5er raus und sie sind mich los.“

Tja, Stundenlohn um € 5,59 (Netto!) erhöht, dafür bedankte ich mich natürlich und schon war er im Lichtermeer untergetaucht und in einem der $nagelstudios verschwunden.

In Gedanken versunken trat ich den Rückweg zur Zentrale an (Mache jedesmal zum Dienstende,lol). Oft überlege ich, wenn  DERHANDY kurz vor Feierabend losbrüllt, ob da wieder mein Sponsor antwortet. Aber bis jetzt ist wohl sein Schweinchen noch nicht wieder Fett genug.

 

 

Paarhufer in blauen Säcken

Neulich, es war schon schön warm. Ich hole einen richtig fetten Fahrgast ab, er steigt vorn rechts ein, der Gurt passt nicht, aber es existiert ausnahmsweise eine Befreiung und es geht los. Da ich als Sammeltaxi unterwegs war, sollte an der nächsten Station noch ein weiterer Fahrgast eingebaucht aufgenommen werden. Dort steht schon ein bekanntes Gesicht, Stammgast im Sammeltaxi. Nur übel bepackt mit irgendwelchen Müllsäcken.

Jeweils 2 Tüten zusammen gebunden und über die Schulter gehängt, einer am langen Arm und hinten noch ein BW-Rucksack.

Ich steige aus und öffne schon mal den Kofferraum.

„Wir müssen uns beeilen, ich habe Fleisch gekauft und das muss schnell in die Kühlung. Es tropft schon etwas Blut heraus, dafür habe ich extra eine Folie für deinen Kofferraum“

Haha, das sah richtig appetitlich aus, denn der Rucksack war auch schon richtig durch gesickt und es hatten sich schon Ränder von schon getrocknetem Fleischsaft abgebildet, aber es roch nicht und so luden wir die Güter ein und die Tour ging weiter.

“ Zentrale?, hier HerrTaxifahrer, ich muss erst nach $dorfanderweser, bevor ich zum $ortanderb6 komme. Ich muss Gas geben, denn ich habe ein halbes Schwein an Bord!“

„HerrTaxifahrer, ist Ok!“

“ Äääääh „, meldet sich Fahrgast 1 mit der Wespentaille,“ wollen sie mich etwa beleidigen?“

“ Oh, Entschuldigung, sie haben es nicht mitbekommen, wir haben hinten gerade ein paar Tüten eingeladen, zusammengesetzt ist das ein halbes Schwein usw. bla…..“

Weitere Ausführungen habe ich mir erspart, wollte das tote Viech hinten drin nicht auch noch in Verlegenheit bringen.

Versuchter Mord !

Nach Indiek wurde ich gerufen, ein idyllisches Dörfchen unter dem Deich der Weser 10 km südlich von Bremerhaven.
An der Abholadresse wurde mir eine 75-jährige Dame übergeben. Ihr Lebensabschnittsgefährte hätte sie im Stich gelassen und sei allein zurück nach Bremerhaven gefahren. Vorher hätte er ihr auch noch Gewalt angedroht, ich solle nicht anhalten, falls uns Jemand dazu auffordert.

Na suuuper, das war ja mal wieder ein geiler Spezialauftrag Pflegefall für mich.

Auf dem Weg zu ihrer Wohnung erfuhr ich ich, das sie soeben ins Wasser der Weser gezogen werden sollte und sich nur durch heftige Gegenwehr losreissen und eben zu der Abholadresse zu laufen und um Hilfe zu bitten.

Des weiteren war der böse Gefährte schon öfter grob geworden und nun hatte meine Fahrgästin Angst allein in ihre Wohnung zu gehen. Ich versprach sie zu begleiten und habe am Zielort in Erwartung des Angriffs gleich mein Iphone auf 110 programmiert.

„So, da wären wir, macht 33,50″

“ Ähhm, Geld habe ich nicht dabei, das hat er mir weggenommen, aber mein Sohn wohnt um die Ecke, der hat mich lieb und wird das bezahlen!“

Na schön, dann schlug ich vor, doch zuerst den Sohn aufzusuchen und schon war ich aus dem Schneider wieder in der Scheiße. Denn dort angekommen wurden wir mit einem freundlichen “ Wer sind sie und was wollen sie mit der alten Schnepfe bei mir, die is doch bekloppt“ empfangen.

Nun legte Omi los und berichtete von dem vorangegangenen Mordversuch und der Flucht mit dem Taxi und ich versuchte mit guten Argumenten an mein Geld zu kommen.

Nach langem Hin und Her musste ich erfahren, das meine Kundin dement und sehr verwirrt ist. Sie macht sich regelmäßig auf den Weg um die Welt mit ihren dramatischen Geschichten zu begeistern und Chaos auszulösen.

Mir war der Gedanke natürlich auch unterwegs gekommen, das da was nicht ganz koscher ist, aber wenn man die betroffene Person nicht kennt, kann man nicht so einfach entscheiden, was Wahrheit oder Märchen ist. Im Zweifel würde ich auch zukünftig immer wieder erst mal vom Schlimmsten ausgehen.

Ok, ich war froh aus der Sache raus zu sein und konnte wieder zur Tagesordnung über gehen, nachdem ich auch mein Fahrgeld endlich erhalten hatte.

Fettnapf

Neulich einen Auftrag erhalten. Bitte Herrn U. N. Beweglich zur Krankengymnastik fahren. Herr B. kam aus der Tür und machte sich leicht schwankend zur geöffneten Tür der Beifahrerseite. Im Auftrag stand, das ich ihm helfen soll. Hab ihn gestützt und angeschnallt, alles war Gut.

Da ich das  Ziel noch nie angefahren hatte, fragte ich Herrn B. ob er mir den Weg ansagen könne. Darauf hin erhielt ich nur ein Kopfschütteln als Antwort. Naja, er kennt den Weg vielleicht wirklich nicht, habe dann die Koordinaten von der Zentrale eingefordert und Herrn B. abgeliefert.

Beim Abholauftrag stand dann dabei, das ich Herrn B. zu Hause eben das Mittagessen anwärme und es serviere (Ja, unsere Firma macht sowas!). Ich solle daran denken, den Deckel vom Joghurt abzuziehen, den bekommt er nicht auf, weil Blind .

Maaaaaaan, war das peinlich, oder habt ihr schon mal einen Blinden nach dem Weg gefragt?